Kritik an Bergungsarbeiten nach Zugsunglück in Indien

11. September 2002, 19:41
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Keine Hoffnung auf Überlebende - Bahn angezeigt - Untersuchung läuft

Neu Delhi - Nach dem Zugunglück in Indien mit bis zu 120 Toten haben Überlebende massive Kritik an den langwierigen Bergungsarbeiten geübt. Zwei Tage nach dem Unglück im östlichen Bundesstaat Bihar waren am Mittwoch 112 Leichen geborgen. In zwei der Unglückswaggons lagen immer noch Opfer. Hoffnung, Überlebende zu finden, gab es aber nicht mehr.

Die Regierung von Bihar zeigte die indische Bahn wegen mangelhafter Wartung der Strecke an. Bahnminister Nitish Kumar hielt seine Vermutung, es könne sich um einen Anschlag gehandelt haben, nicht mehr aufrecht. Das berichteten die indischen Medien.

Der "Haupstadt-Express" von Kalkutta nach Delhi war am Montagabend in Rafiganj auf einer 85 Jahre alten Brücke entgleist. 15 Waggons waren fünf Meter tief gestürzt, mehrere von ihnen lagen aufeinander. Zum Zeitpunkt des Unglücks waren schätzungsweise 600 Menschen an Bord.

Passagiere warfen den Behörden vor, es hätten mehr Opfer lebend geborgen werden können, wenn die Rettungsarbeiten zügiger verlaufen wären. Die Helfer waren in der Nacht kaum vorangekommen, weil Strom und Licht fehlten. Außerdem behinderte Regen die Arbeit.

Es gab die Befürchtung, dass einige Überlebende an den Gasen der Schweißbrenner erstickten, mit denen Waggons geöffnet wurden. "Mein Vater ist da drin. Ich weiß nicht, ob er tot ist oder nicht, keiner hilft ihm", sagte ein Passagier, der neben den Wracks der ineinander verkeilten Waggons ausharrte. Die frühere Bahnministerin Mamata Banerjee warf dem Unternehmen Versagen bei der Rettungsaktion vor.

Die Bahn begann mit der Untersuchung der Unglücksursache. Da auf der Brücke Gleisbefestigungen fehlten, hatte es Spekulationen über einen möglichen Anschlag gegeben. Innenminister Lal Krishna Advani und die Bahnpolizei hatten das jedoch für unwahrscheinlich erklärt.

Die Zeitung "Asian Age" berichtete, die Brücke habe schon vor dem Unglück als "ermüdet" gegolten. Minister Kumar sagte, die Bahn sei dabei, die Brücken, bei denen in einer Untersuchung im Jahr 2001 Materialermüdung festgestellt wurde, zu reparieren oder zu ersetzen. (APA/dpa)

Der "Hauptstadt-Express" ist die höchste Zugklasse in Indien und fährt die gut 1.400 Kilometer von Kalkutta nach Neu Delhi in 17 Stunden, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 85 Kilometern pro Stunde. Die Brücke aus britischer Zeit war für bis zu 130 Kilometer pro Stunde ausgelegt.
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