Vor- und Nachteile im Überblick

24. September 2002, 23:05
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Späte Berufseinsteiger und Firmentreue bekommen im neuen System sicher weniger, für Firmen mit hoher Fluktuation bedeuten die neuen laufenden Beiträge Neuland. Dass die Jobmobilität gefördert wird, räumt mit traditionellen Praktiken auf und verlangt von allen Beteiligten eine kreativere Definition des Arbeitsplatzes.

Die Vor- und Nachteile des neuen Systems jetzt - ohne Erfahrungswerte - individuell konkret auszusortieren ist noch schwierig. Allerdings steht grundsätzlich fest:

Auf Arbeitgeberseite

nützt das neue System vor allem Branchen mit geringer Mitarbeiterfluktuation. Ihre Bilanzen lassen sich gleichmäßiger gestalten. Fremdenverkehrsbetriebe, die Computer- oder Werbebranche, wo häufig der Job gewechselt wird, haben eher Nachteile. Diese Branchen waren selten mit Abfertigungszahlungen konfrontiert, die laufenden Beiträge sind für sie Neubelastungen.

Bis jetzt hatten nur etwa zwölf Prozent der jährlich beendeten Dienstverhältnisse eine Abfertigungszahlung zur Folge. Nur und 40 Prozent aller Dienstnehmer haben bis jetzt in ihrem gesamten Erwerbsleben Abfertigungsgeld bekommen. Die Mehrheit der Dienstverhältnisse währt demnach kürzer als drei Jahre oder endet mit Kündigung durch den Arbeitnehmer.

Strukturänderungen

Insgesamt wird der traditionelle "Golden Handshake" neu bewertet, weil er steuerlich nicht mehr begünstigt ist. Gleichzeitig wird voraussichtlich mit anderen vertrauten Praktiken Schluss gemacht, etwa dass Arbeitnehmer kurz vor dem nächsten großen Abfertigungssprung gekündigt werden.

Kritiker des neuen Systems, in dem ja die Mobilen erstmals einen Rucksack mit Abfertigungsgeld von der einen zur nächsten Firma mit sich tragen, beklagen auch die in der Übergangsphase, in der beide Systeme parallel bestehen, leichtere Aussortierbarkeit der Belegschaft, etwa was Ausbildungsprogramme oder Karrierepläne betrifft. Andererseits wird aber auch das Wegfallen der "Abfertigungsbremse" gelobt, was zu mehr Kreativität und Effizienz bei Mitarbeiterbindung führen dürfte.

Auf Arbeitnehmerseite

sind Vor- und Nachteile besser abzusehen: Grundsätzlich ist im neuen System nach 25 Dienstjahren ein volles Jahresgehalt als Abfertigung nicht mehr zu erreichen. Erst nach 37 Dienstjahren errechnet sich ein solches. Was tatsächlich ausgezahlt wird, hängt aber von der Entwicklung der Kapitalmärkte ab. Das Zusatzgeld hängt also am Veranlagungserfolg. Von blumigen Erwartungen einer sechsprozentigen Rendite sollten sich Arbeitnehmer verabschieden. Teure Kapitalgarantien der Kassen und die Unsicherheit, wann Auszahlungen fällig werden, zwingen die Kassen zu konservativer und tendenziell kurzfristiger renditeschwächerer Veranlagung. Da realistisch derzeit drei Prozent (Netto-) Rendite angenommen werden, müsste man eigentlich mehr als 50 Jahre arbeiten, um ein volles Jahresgehalt aus der Mitarbeitervorsorgekasse zu lukrieren. Die Vertreter der Kassen rechnen derzeit auch eher mit schnellerer Entnahme des Abfertigungsgelds, monatliche Renten würden sich die wenigsten auszahlen lassen. Das Geld werde eher für Anschaffungen genützt werden, lautet die Erwartung, auch wenn dann der Auszahlungsbetrag mit sechs Prozent zu versteuern ist.

Am wenigsten werden jene erhalten, die (nach langer Ausbildung) spät ins Erwerbsleben einsteigen und alle, die ihr Arbeitsleben in einer Firma verbringen. Mit der alten "Treueprämie" wären sie besser dran gewesen.

Die meisten Vorteile können jene verbuchen, die oft den Job wechseln und öfters selbst kündigen. Denn sie verlieren erstmals nicht ihre Ansprüche, was vom Arbeitgeber eingezahlt wird, bleibt erhalten, entnommen kann allerdings erst nach drei vollen Einzahlungsjahren werden. Das gilt auch für alle Arbeitnehmer, die wegen ihrer Jobstruktur zu kurzfristigen Dienstverhältnissen - etwa in Saisonbetrieben - gezwungen sind.

Relativ gut behandelt das neue System auch alle, die in Lehre, Zivil- oder Präsenzdienst sind und alle, die in Karenz sind. Die Beiträge während dieser Zeit sind zwar sehr gering, aber sie fließen.(Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe 10.9.2002)

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    foto: derstandard.at
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