RCB stuft Wienerberger auf "Übergewichten" ab

10. September 2002, 11:56
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Rückzug der Hauptaktionäre kann Aktie belasten

Wien - Die Raiffeisen Centrobank (RCB) senkt ihre Anlageempfehlung für Aktien des Ziegelherstellers Wienerberger von "Kauf" auf "Übergewichten". Die Halbjahres-Ergebnisse seien zwar über den Erwartungen der Analysten gelegen, der angekündigte Rückzug der beiden Hauptaktionäre von Wienerberger - die Bank Austria Creditanstalt und der belgische Baustoffkonzern Koramic mit jeweils 26,6 Prozent - habe aber eine Neubewertung notwendig gemacht.

Dadurch komme der Kurs von Wienerberger-Aktien möglicherweise kurzzeitig unter Druck, weshalb das Kursziel von 25 auf 18 Euro gesenkt wird. Auch der rechnerisch faire Wert auf Basis eines Discounted Cash Flow-Modells (DCF) sei damit nicht erreichbar. Mittelfristig erachten die Analysten der RCB die Erhöhung des Streubesitzes aber als positiv. Die Gewinnprognose wurde von 0,98 auf 1,02 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2002 und von 1,37 auf 1,45 Euro im Folgejahr erhöht. 2004 rechnet die RCB mit einem Gewinn je Anteilsschein von 1,77 Euro (nach 1,76 Euro).

Unterbewertung

Im Vergleich zu Aktien von Konkurrenzunternehmen mit dem Fokus auf der Zementproduktion zeige sich auf Grund fundamentaler Kennzahlen eine Unterbewertung von sechs Prozent. Der Abschlag sei "auf Grund des global ausgerichteten Portfolios von Wienerberger mit einem starken Standbein in der Wachstumsregion Mittel- und Osteuropa nicht gerechtfertigt", so die Expertise der RCB.

Heuer sei der österreichische Ziegelhersteller im Gegensatz zu Baumaterialherstellern mit hohem Westeuropa-Anteil noch höher bewertet, im nächsten Jahr ergäbe sich laut RCB-Analysten jedoch eine Unterbewertung, die 2004 sogar noch ausgebaut werde. Ein höher erwartetes Ergebniswachstum zum Durchschnitt der Peer Group rechtfertige einen Bewertungsaufschlag.

Wachstumsmarkt: Ostregion

Die Ostregion wird vom in der Baubranche führenden Marktforschungsinstitut Euroconstruct in den nächsten Jahren weiterhin als Wachstumsmarkt angesehen. Wienerberger plant in dieser Region weitere Akquisitionen. Die Analysten haben ihre Umsatzerwartung von 305 auf 328 Mill. Euro angehoben, die EBIT-Marge jedoch von 17 auf 16 Prozent reduziert.

Probleme bereiten Wienerberger laut RCB die Märkte in Westeuropa und den USA. Im ersten Halbjahr schrumpfte etwa der deutsche Ziegelmarkt um 14 Prozent. Die RCB rechnet mit weiteren Schließungen von Werken in Deutschland und den Niederlanden noch im Jahresverlauf. Auf Grund des stärkeren Euro wurde die Umsatzprognose für den US-Markt von 300,1 Mill. auf 277 Mill. Euro angepasst. (APA)

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