Freiwillige Abfertigungen voll besteuert

10. September 2002, 11:49
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Nur im Altsystem begünstigt

Die laufenden Abfertigungs-Beitragszahlungen durch den Arbeitgeber sind bis zur gesetzlich fixierten Höhe von 1,53 Prozent des monatlichen Bruttolohns des Arbeitnehmers steuerfrei gestellt. Werden vom Arbeitgeber freiwillige Abfertigungen ausbezahlt, so gelten die Bestimmungen über die steuerbegünstigte Auszahlung auch nach dem 31. 12. 2002 prinzipiell weiter, sagen die Experten der Wirtschaftskammer Österreich. Lediglich für Zeiträume, für die Ansprüche an Mitarbeitervorsorgekassen bestehen, ist keine begünstigte Auszahlung von freiwilligen Abfertigungen mehr möglich.

Verbleib im alten System

Erfolgt kein Umstieg in eine Mitarbeitervorsorgekasse, so bleiben die Vorschriften über die begünstigte Besteuerung der freiwilligen Abfertigung also auch weiterhin bestehen. Danach sind konkret ein Viertel der laufenden Bezüge der letzten zwölf Monate als freiwillige Abfertigung mit dem festen Steuersatz von sechs Prozent zu besteuern. Über dieses Ausmaß hinaus gilt: Freiwillige Abfertigungen werden je nach nachgewiesener Dienstzeit (und nach Abzug bereits erhaltener Abfertigungen sowie bestehender Ansprüche auf Abfertigungen) bis zu weiteren zwölf Zwölfteln der laufenden Bezüge der letzten zwölf Monate zusätzlich mit sechs Prozent besteuert.

Mischform: Alt neben neu

Wechselt der Dienstnehmer zu einem mit dem Arbeitgeber vereinbarten Termin in das neue Abfertigungssystem und verbleibt mit den bis dahin entstandenen Ansprüchen im alten System, wird aliquot abgerechnet. Das heißt: Eine freiwillige Abfertigung kann steuerbegünstigt nur für jene Zeiträume ausbezahlt werden, für die kein Anspruch gegenüber der MV-Kasse bestanden hat. Die Aufteilung erfolgt in der Praxis nach dem verhältnis der Dienstjahre.

Komplettumstieg aufs neue System

Auch der Umkehrschluss ist zulässig: Wechselt also der Dienstnehmer zur Gänze in das neue Abfertigungssystem, also mitsamt der Übertragung der Altanwartschaften, gibt es keine Steuerbegünstigung mehr bei der Auszahlung der freiwilligen Abfertigung. Eine bei Beendigung des Dienstverhältnisses bezahlte freiwillige Abfertigung unterliegt in diesem Fall der tarifmäßigen Lohnsteuer des jeweiligen Dienstnehmers.

Wichtig ist: Für Personen, die im arbeitsrechtlichen Sinn keine Dienstnehmer sind, kann die begünstigte Auszahlung von freiwilligen Abfertigungen auch weiterhin angewandt werden. Dies betrifft Vorstände von Aktiengesellschaften sowie Geschäftsführer einer GmbH mit einer Beteiligung bis zu 25 Prozent und Sperrminorität. (Michael Bachner, DER STANDARD, Printausgabe 10.9.2002)

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