Deutsch-syrischer Unternehmer soll "Heiligen Krieg" unterstützt haben

10. September 2002, 12:48
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Familie soll gewaltbereite islamische Fundamentalisten illegal eingeschleust haben

Karlsruhe - Eine deutsch-syrische Im- und Exportfirma aus Norddeutschland ist wegen Terrorverdachts ins Visier der deutschen Bundesanwaltschaft geraten. Der Geschäftsführer steht im Verdacht, gewaltbereite islamische Fundamentalisten illegal einzuschleusen, wie die Bundesanwaltschaft am Dienstag in Karlsruhe mitteilte. Er und Mitglieder seiner Familie sollen auch Kontakte zu Personen haben, gegen die im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September ermittelt wird. Die Lager- und Geschäftsräume der Firma in Schleswig-Holstein und Hamburg wurden in der Früh durchsucht.

Bei den durchsuchten Räumen handelt es sich nach AP-Informationen unter anderem um ein Objekt in dem kleinen Ort Fitzbek bei Bad Bramstedt. Ein weiteres Gebäude befindet sich nach Polizeiangaben in Hamburg. Im Einsatz waren laut Bundesanwaltschaft Polizeikräfte des Bundeskriminalamtes, des Bundesgrenzschutzes und der Landespolizei von Hamburg und Schleswig-Holstein. Es bestand ein Durchsuchungsbefehl der Ermittlungsrichterin des Bundesgerichtshofs. Die Verdächtigen würden zurzeit vernommen, hieß es. Sie sollen gewaltbereite Islamisten mit dem Ziel eingeschleust haben, damit zum "Heiligen Krieg" beizutragen.

Ermittelt wird gegen den Geschäftsführer, seine Ehefrau und die beiden Söhne wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Die möglichen Bezüge zum internationalen Terrorismus begründeten die besondere Bedeutung des Falles und damit die Zuständigkeit der Bundesanwaltschaft, erklärte die Behörde. Der Verdacht gegen den Geschäftsführer ergebe sich aus dem "kaufmännisch untypischen Geschäftsgebaren des Firmenverantwortlichen".

Es bestehe der Verdacht, dass unter dem Deckmantel der Handelsfirma eine kriminelle Vereinigung gegründet worden sei. Die Durchsuchung diene dem Ziel, weiteres Beweismaterial aufzufinden. Es solle aufgeklärt werden, ob der Beschuldigte einer in Deutschland bestehenden kriminellen Vereinigung angehöre, die in ein internationales Netzwerk gewaltbereiter islamistischer Fundamentalisten eingebunden sei und finanzielle und logistische Unterstützung leiste. Mit den Ermittlungen ist das Bundeskriminalamt beauftragt. Bis zum Abschluss der Durchsuchungsaktion wollte die Bundesanwaltschaft keine weiteren öffentlichen Erklärungen abgeben.

Bei dem Mann handelt es sich nicht um den aus Syrien stammenden Geschäftsmann Mamoun Darkazanli, wie die Bundesanwaltschaft auf Anfrage bestätigte. Darkazanli war nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ins Visier des Bundeskriminalamtes geraten. Der Kaufmann aus Hamburg wurde verdächtigt, in Verbindung mit Osama bin Laden zu stehen. Generalbundesanwalt Kay Nehm sah sich aus rechtlichen Gründen gehindert, ein eigenes Ermittlungsverfahren gegen Darkazanli zu führen.

Im Zuge der weltweiten Ermittlungen nach den Anschlägen vom 11. September war Hamburg bereits einmal ins Blickfeld gerückt. Mohammed Atta, der mutmaßliche Anführer der Luftpiraten, hatte in der Hansestadt gewohnt und dort offenbar die Anschläge geplant. Am 11. September 2001 hatten 19 mutmaßliche Moslem-Extremisten vier Passagiermaschine entführt. Zwei lenkten sie in die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York und brachten sie zum Einsturz. Eine Maschine stürzte in das US-Verteidigugnsministerium bei Washington, eine auf unbewohntes Gebiet im Bundesstaat Pennsylvania.(APA/AP/Reuters)

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