Erstmals Regeln für den Job des Mediators

10. September 2002, 11:41
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Professionelle Konfliktlösung und damit auch die Ausbildungsprogramme zum Mediator. Ein Gesetz soll ab Herbst erstmals Kriterien für die Schulung festlegen. Doch es ist nicht ganz unumstritten.

Ob im Versicherungsgeschäft, bei Scheidungen oder am Flughafen Wien, wo es um die Berücksichtigung der Anrainerwünsche beim geplanten Ausbau des Areals geht: Das Thema Mediation gewinnt auch hierzulande seit fünf bis sieben Jahren immer größere Bedeutung. Und damit auch die Ausbildung zum Mediator, die allerdings bis heute gesetzlich nicht geregelt ist.

Karin Schuhmann-Hommel, Vorsitzende des "Österreichischen Bundesverbandes der MediatorInnen (ÖBM)", meint, es gebe dabei derzeit nur Empfehlungen. Zum Beispiel soll das Mindestalter 28 Jahre sein. Außerdem werde zwar - im ÖBM - keine bestimmte Grundausbildung vorausgesetzt, "aber Berufs- und Lebenserfahrung, auch Einfühlungsvermögen sind notwendig". In jungen Jahren habe man schlicht noch nicht die Reife, um in einem Konflikt zwischen mehreren Personen zu vermitteln. Mit dem Ziel, eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung zu entwickeln.

Nicht einmal eine Ausbildung ist derzeit zwingend. Schuhmann-Hommel: "Im Prinzip könnte jeder heute sagen: Morgen bin ich Mediator." Nachsatz: "Obwohl das niemand macht." Abhilfe soll ein für den Herbst erwartetes "Gesetz zur Regelung gerichtsnaher Mediation" schaffen. Dann wird sich nur mehr als "eingetragener Mediator" bezeichnen können, wer mindestens 200 Stunden Ausbildung hinter sich hat. Experten erwarten dadurch ein weniger breites, aber auch qualitativ höher anzusiedelndes Seminarangebot als bisher. Manfred Korn, Salzburger Rechtsanwalt, schätzt: "Wir haben derzeit 2000 Absolventen von Mediatorenschulungen." Es gebe einen Boom, aber auch wieder nicht so viele Fälle wie Kursangebote. "Wäre jeder fertige Mediator auch tätig, würde er nur alle zwei Jahre einen Auftrag erhalten." 70-80 Prozent würden die Ausbildung derzeit gar nicht anwenden.

Korn übt scharfe Kritik am derzeit diskutierten Gesetz. Menschen, die jetzt den Beruf des Konfliktlösers in nicht gerichtlichen Belangen ausüben (z. B.: Schulmediation), hätten dann eigentlich keine Berechtigung, sich Mediator zu nennen. Es würde sogar Strafen geben, wenn sie es dennoch täten. Auch der Wiener Rechtsanwalt Michael Witt, Kommissionsmitglied des Justizministeriums, meint, der Beruf sei dann zu sehr über den Gerichtssaal definiert. "Was ist dann mit Fällen, die eigentlich dort nichts verloren haben?" Beispiel: Flughafen Wien.

Gegenwärtig drängen vor allem Weiterbildungswillige aus juristischen und psychsozialen Berufen in die Mediationsseminare. Die Anwaltliche Vereinigung für Mediation und kooperatives Verhandeln (AVM) und der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie haben deswegen 1998 die Coop Mediation gegründet, die Fortbildungsmöglichkeiten anbietet, die in der heimischen Szene anerkannt sind. Beide Berufsstände könnten nun vom Gesetz erwarten, so Witt, dass ihre Grundausbildung anerkannt wird. Die Initiative geht aber nicht nur vom Einzelnen, sondern auch von Unternehmen aus: Mitarbeiter werden in Schulungen geschickt. So versuchen etwa Versicherungen bei Streitigkeiten im Schadensfall zu einer Lösung zu kommen. Der tiefere Sinn: Durch eine außergerichtliche Lösung kann man sich hohe Prozesskosten ersparen. (Peter Illetschko/DER STANDARD, Printausgabe, 07./08. 09. 2002)

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