"Garantiert unterhosenfrei":

10. September 2002, 11:13
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"Krisenbeiz" für Publikums(ab)reaktionen im Schauspielhaus Zürich eröffnet

"Man kann fragen, man kann uns beschimpfen, aber auch verteidigen." Stille. "Wenns keine Fragen hat, tant pis. Ist wenigstens die Abokasse offen?" fragte ein gut gelaunter Christoph Marthaler mit dem Plakat "Danke Zürich" im Rücken. Im Schauspielhaus Zürich ist wieder die Gemütlichkeit eingekehrt: An der Eröffnung der "Krisenbeiz" im Pfauen-Foyer am Montagabend nahmen neben der Direktion etliche Ensemble-Mitglieder und weitere rund 200 Personen teil. Einziges Programm der Beiz sei das Miteinanderreden, sagte die Schauspielerin und Moderatorin Nikola Weisse zu Beginn des Abends.

Nach und nach kamen dann die Fragen - besorgte, solidarische vornehmlich. Ein junger Mann verkaufte Solidaritätsplaketten. Ein älterer Herr stellte erleichtert fest, dass sich die Direktion zur "konstruktiven Zusammenarbeit" mit dem Verwaltungsrat und den Behörden bereit erklärt. "Mir liegt Ihre Arbeit am Herzen. Ich möchte, dass sie weitergeht." Marthaler unterstrich einmal mehr, dass "wir bereit sind, uns einzuschränken. Aber es gibt eine Schmerzgrenze".

"Garantiert unterhosenfrei"

Mit dieser Wandanschrift möchte das Schauspielhaus auch seine Kritiker zum Gespräch in die Krisenbeiz einladen. Am Montag kamen sie noch nicht. Gelegenheit haben sie noch mindestens bis Freitag. "Bei Großandrang machen wir weiter, bis die Krise vorbei ist", versprach Nikola Weisse.

Der Verwaltungsrat des Schauspielhauses Zürich hatte kürzlich die vorzeitige Auflösung des Fünfjahresvertrages mit Intendant Christoph Marthaler beschlossen. Seither gibt es in der Schweiz wie in der gesamten deutschsprachigen Theaterszene Proteste - unter anderem mit dem Hinweis auf die hervorragende künstlerische Arbeit an dem Theater, das erst kurz zuvor zum zweiten Mal in Folge in der alljährlichen Kritiker-Umfrage der Zeitschrift "Theater heute" zum "Theater des Jahres" gekürt worden war. (apa/red)

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