Kleines Bier, teures Bier

11. September 2002, 22:47
45 Postings

Oder: Die Verwirrung, die plötzlich auftritt, wenn nicht mehr so viel drin ist, wie immer drin war

Früher wussten immer alle noch, wie viel ein Semmerl kostete, und zwar auf den Groschen. Und da wussten immer alle auch noch genau, wie viel ein Seidl kostete, ungefähr genau 19 Schilling, auf ewige Zeiten. Aber da wussten ja auch immer noch alle, dass der Bundeskanzler Kreisky heißt, und dass man wusste und dass mit ß schrieb.

Okay, Schluss mit Sentimentalitäten. Und daran, dass sich der Bierpreis exponential entwickelt hat und mit dem Preissprung anlässlich der Euro-Einführung in der Gastronomie (der so ungefähr 37% beträgt und mit inbrünstiger Vehemenz geleugnet wird, so als ob wir alle blöd wären, anstatt dass man schlichtweg zugibt, eine längst fällige Anpassung vorgenommen zu haben) noch ein bisschen exponentialer, daran haben wir uns eh schon ein bisschen gewöhnt, die Krot ist bereits verspeist.

Nur passen die Menschen von den Brauereien und den Supermärkten schon auf, dass uns nicht fad wird. Zum Beispiel, indem sie nun nach internationalem Vorbild Bier auch in 0,33 Liter-Flaschen abfüllen, was echt fein und die Warme Hansel-Wahrscheinlichkeit enorm zu mindern imstande ist, und sich dafür einen speziellen Preis ausgedacht haben: entsprechend kleiner als bei 0,5 Liter? Nein, falsch geraten! Genau der gleiche Preis wie bei 0,5 Liter? Aber bitte, für wie simpel gestrickt halten sie die vifen Kerlchens der heimischen Brauerei-Szene denn, für unterschiedliche Menge kann man doch nicht gleiches Geld verlangen! Genau, man verlangt also für Bier in 0,33 Liter-Flaschen um 20 Cent mehr als für die 0,5 Liter-Flasche, Bravo, Super, Genial!

Ich bin wirklich lange gesessen und hab mir überlegt, wie das sein kann und welcher Logik das wohl entspricht, ­ ich kam auf kein Ergebnis. Die Flaschen sind genauso etikettiert und mit Kronkorken verschlossen, die Befüllung kann nicht schwieriger sein, auch für Anlieferung, Lagerung, Manipulation existiert eine Logistik, es mussten nicht in Amerika spezielle Wagen dafür konstruiert und nach Österreich verbracht werden. Ich glaube, man hält uns einfach für deppert und denkt sich, wenn er das in Flaschen gefüllte Seidl haben will, soll er auch fast so viel bezahlen wie beim Wirten ­- Angebot und Nachfrage.

Die Versuchung ist groß, das heimische Bier für diese Frechheit zu boykottieren und überhaupt nur mehr zum deutschen Saft zu greifen, der,­ von ein paar Ausnahmen abgesehen - ohnehin viel besser ist. Aber hierzulande teurer halt auch wieder, Mist.

Aber mal sehen, was preislich wenn die heimischen Brau-Ingenieure eine weitere, ebenfalls nicht unsympathische Flaschengröße einführen, die etwa in Südost-Asien schon absolut gängig ist, die 0,75 Liter-Flasche. Dann wird¹s doch sicher billiger als der halbe Liter sein, oder?

Von
Florian Holzer
  • Artikelbild
    montage: derstandard.at
Share if you care.