Experten: Krieg würde Konjunktur nicht stark beanspruchen

10. September 2002, 09:48
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Kurzfristiger Ölpreisanstieg könnte rasch überwunden sein

Berlin - Bei einem Krieg gegen den Irak werden nach Einschätzung von Experten führender deutscher Wirtschaftsforschungsinstitute die konjunkturellen Auswirkungen eher begrenzt bleiben. Kurzfristig jedoch könnte es ihrer Ansicht nach zu einem Ölpreisanstieg und zu einer Abschwächung des Wachstums kommen. Die Erfahrungen vergangener Kriege in der Region, vor allem des Golfkriegs, hätten jedoch gezeigt, dass diese Folgen schnell wieder überwunden werden könnten. Einschränkend räumten die Experten ein, dies werde allerdings entscheidend von der Länge und der Ausdehnung des Konflikts abhängen.

"Problematisch wäre es, wenn sich der Konflikt ausweiten und auf andere OPEC-Länder im arabischen Raum übergreifen würde", sagte Udo Ludwig, Konjunkturexperte des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Wie nachhaltig sich ein Irak-Krieg auf die Wirtschaft auswirken werde, hänge neben der Dauer und der Ausdehnung des Krieges auch davon ab, "ob Ölquellen selbst vernichtet würden", sagte Eckhardt Wohlers, Leiter der Abteilung Internationale Makroökonomie des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA).

Gefahr: Koalition arabischer Staaten

Aus Sicht der Experten besteht diesmal die Gefahr, dass sich eine Koalition arabischer Staaten gegen die USA bilden könnte. "Die USA könnten diesmal isoliert stehen und Öl als Waffe eingesetzt werden", warnte Wohlers. Sollten sich andere arabische Länder mit dem Irak solidarisch erklären und deshalb "am Ölhahn drehen", könnte dies auch nach Meinung von Joachim Scheide, Konjunkturexperte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), schwierig werden. "Wenn sozusagen eine 'Strafaktion' von der Seite gestartet wird und der Ölpreis kräftig anzieht, dann erhielte die Weltwirtschaft einen Dämpfer", sagte Scheide.

Im Moment beurteilt der IfW-Experte die Wahrscheinlichkeit hierfür allerdings als relativ gering. Eine Rezessionsgefahr sehen die Experten bei einer zeitlich und regional begrenzten kriegerischen Auseinandersetzung nicht. "Möglicherweise wird der US-Dollar wieder etwas stärker, was den USA den Export etwas erschweren und den Europäern leichte Impulse bescheren könnte", sagte Roland Döhrn, Konjunkturexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) aus Essen. Eine Rezessionsgefahr bestehe dadurch aber nicht. Auch der Golfkrieg habe in der Konjunktur nur "sehr flüchtige Spuren hinterlassen", sagte der RWI-Experte.

Wenn der Konflikt lokal auf den Irak begrenzt bleibe, sei ein vorübergehend höherer Ölpreis vorstellbar, der aber nicht von Dauer sei, sagte Scheide. Sein Kollege Ludwig vom IWH hält in diesem Fall einen Anstieg auf "über 30 Dollar" für möglich. Wohlers wies darauf hin, dass sich im Golfkrieg die Ölpreiserhöhung als "Strohfeuer" erwiesen habe. Der Preis sei damals rasch nach oben geschnellt, aber auch rasch wieder nach unten gefallen. Dieses Szenario sei auch diesmal wieder vorstellbar, sagte der HWWA-Experte. (APA)

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