Bush stößt bei Kanadas Ministerpräsidenten auf taube Ohren

9. September 2002, 22:34
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Bei Treffen in Detroit keine gemeinsame Erklärung

Detroit - US-Präsident George W. Bush ist es bei seinem Treffen mit dem kanadischen Ministerpräsidenten Jean Chretien offenbar nicht gelungen, diesen in der Irakpolitik auf seine Seite zu ziehen. Das erklärte Bushs Sprecher Ari Fleischer nach dem Treffen der beiden Staatsmänner. Bush habe Chretien allerdings auch gar nicht gebeten, seinen Standpunkt zu ändern, sagte Fleischer. Chretien hat sich in der Irak-Frage bisher reserviert verhalten und betont, es wolle erst Beweise für irakischen Massenvernichtungswaffen sehe, die eine kanadische Unterstützung eines Angriffs rechtfertigten.

Öffentliche Erklärungen zum Irak gaben die beiden Politiker nach ihrem Treffen nicht. Weitere Themen zwischen Bush und Chretien waren Handels- und Sicherheitsfragen. Bei der Zusammenkunft am Montag in Detroit wurde der Startschuss für ein Programm für freien und sicheren Handel zwischen beiden Nachbarn gegeben.

Gemeinsame Sicherheitsvorkehrungen

Nach den Terroranschlägen vom vergangenen Jahr wurden an der gemeinsamen Grenze strenge Sicherheitsmaßnahmen eingeführt, der Handel war davon teilweise behindert. Nun soll die Grenze unter Beibehaltung der Sicherheitskontrollen mit dem Programm wieder den Bedürfnissen der Wirtschaft gemäß gestaltet werden. Das tägliche Handelsvolumen zwischen den beiden Nachbarstaaten beträgt rund 1,3 Milliarden Dollar (Euro). Etwa 200 Millionen Menschen überqueren jährlich die Grenze.

"Amerika und Kanada sehen sich neuen Sicherheitsbedrohungen gegenüber. Das ist die neue Realität des 21. Jahrhunderts", sagte Bush. "Diese große und friedliche Grenze muss für die Wirtschaft und die Leute offen und für Terroristen und Kriminelle gesperrt sein". Bei seiner Ankunft erwarteten den US-Präsidenten Demonstranten, die ihm Spruchbänder wie: "Lasst Bush fallen, nicht Bomben" und "Kein Blut für Öl" entgegenhielten. (APA/AP)

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