Doron Rabinovici erhält Jean-Amery-Preis 2002

9. September 2002, 22:45
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Menasse initiierte den Preis um unabhängige intellektuelle Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher und politischer Entwicklung zu fördern

Stuttgart/Wien - Der heuer zum zweiten Mal vergebene Jean-Amery-Preis für Essayistik geht an den 1961 in Tel Aviv geborenen und seit 1964 in Wien lebenden Schriftsteller und Historiker Doron Rabinovici. Das gab der Stuttgarter Klett-Cotta Verlag bekannt. Der von Robert Menasse gestiftete und von der Bank Austria-Creditanstalt und dem Klett-Cotta Verlag gesponserte Preis ist heuer mit 12.000 Euro dotiert und soll Ende November in Stuttgart verliehen werden. Der erste Preisträger, Franz Schuh, durfte sich im Jahr 2000 noch über 250.000 Schilling (18.168 Euro) freuen.

Nähe zu Arbeit Amérys

"Wie Cannetti, dem er mehrere einfühlsame Essays gewidmet hat, hat sich auch Rabinovici für die Deutsche Sprache, die nicht seine Muttersprache ist, entschieden", heißt es in der Aussendung, "In dieser Sprache hat er über den Umgang mit dem Holocaust und dem jüdischen Erbe, über fortdauernden Antisemitismus und das Verhältnis von Politik und Kultur nachgedacht. Die Nähe zu der Arbeit von Jean Améry, der diesen Herbst 90 Jahre alt geworden wäre, hat die Jury (Heinz Ludwig Arnold, Peter Demetz, Irene Heidelberger-Leonard, Joachim Kalka und Michael Krüger, Anm.) zu Ihrem einstimmigen Votum für Doron Rabinovici veranlaßt."

Von Menasse initiierter Preis

Der österreichische Schriftsteller und Essayist Robert Menasse hatte im Jahr 2000 die Dotierung seines "Österreichischen Staatspreises für Kulturpublizistik 1998" in der Höhe von 100.000 Schilling dazu verwendet, den zweijährlich zu vergebenden Jean-Amery Preis für Essayistik zu initiieren. Menasse wollte mit seinem "Versuch, einen Staatspreis zu privatisieren" die intellektuelle Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung in Österreich und Europa fördern, ohne die Preisträger einer Debatte um das so genannte Staatskünstlertum auszusetzen.

Kurzbiografie

Doron Rabinovici hat sich als Historiker, Schriftsteller und engagiertes Mitglied der "Zivilgesellschaft" einen Namen gemacht. Besonders sein Roman "Suche nach M." und seine "Papirnik. Stories" fanden ein breiteres Publikum. Für seinen Essayband "Credo und Credit" erhielt Rabinovici im Frühjahr den mit 10.000 Euro dotierten Clemens Brentano-Preis der Stadt Heidelberg. (APA)

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    Doron Rabinovici

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