"Situation erfordert Kampf"

9. September 2002, 19:45
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Schröder hofft auf Mobilisierung, Stoiber setzt auf Kompetenz

Sichtlich zufrieden zeigte sich der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder am Montag nach der SPD-Präsidiumssitzung mit seinem Auftritt beim TV-Duell, das er laut Umfragen von ARD und ZDF für sich entschied. Schröder rief dazu auf, diesen Rückenwind zu nutzen: "In den letzten 14 Tagen wird sich die Frage entscheiden, wer gewinnen wird. Rot-Grün hat gute Chancen." Derzeit lägen sowohl SPD und Union als auch FDP und Grüne bei Umfragen Kopf an Kopf. "Das ist eine Situation, die Kampf erfordert von unseren Leuten, um das positiv zu entscheiden."

Die Grünen zeigten sich wiederum sehr zufrieden damit, dass der Bundeskanzler beim TV-Duell klar seine Präferenz für Rot-Grün deutlich gemacht hat. Parteichef Fritz Kuhn kündigte an, dass die Grünen nun "den Kampf um den dritten Platz in der Wählergunst" mit der FDP aufnehmen werden. Die Grünen wollen eine Zweitstimmenkampagne starten. "Die Zweitstimme ist Joschka-Stimme", sagte Kuhn mit Blick auf den populären grünen Spitzenkandidaten Joschka Fischer. Die Zweitstimme entscheidet über das Stärkeverhältnis der Parteien, mit der Erststimme kann der Wahlkreiskandidat einer Partei gewählt werden.

Auch Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber präsentierte sich am Montag selbstbewusst. "Insgesamt bin ich sehr zufrieden", so Stoiber zu seinem TV-Auftritt. Am Ende werde die Sachkompetenz wie die Frage, wer die Arbeitslosigkeit in den Griff bekomme, entscheiden.

In einer von der ARD nach der Sendung veröffentlichten Umfrage von Infratest dimap gaben 46 Prozent der Befragten an, Stoiber habe die besseren Argumente zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vorgetragen, 30 Prozent nannten Schröder. Für 50 Prozent der Befragten hat jedoch insgesamt Schröder kompetenter gewirkt. 29 Prozent antworteten auf diese Schlüsselfrage mit Stoiber. Nach dem ersten TV-Duell vor zwei Wochen war diese Frage noch unentschieden ausgegangen. Bei den Wählern, die sich noch als unentschlossen bezeichnen, schnitt Schröder mit 50 zu 29 Prozent im Vergleich zu Stoiber deutlich besser ab. (DERSTANDARD, Printausgabe, 10.9.2002)

Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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