Neues Rathaus mit Durchblick in Innsbruck

9. September 2002, 20:17
posten

Integrierte Konsummeile eröffnet am Donnerstag

Innsbruck - "Champagner statt Sekt" heißt es auf einem der Plakatsujets, die allesamt versprechen: "Innsbruck wird Weltstadt". Beworben wird die neue Rathaus-Galerie, die am Donnerstag eröffnet und 22 Geschäfte - die primär jüngere und betuchtere Kundschaft ansprechen wollen - sowie sechs Gastronomiebetriebe beherbergen wird.

Gehämmert, gebohrt und geputzt wird derzeit nicht nur zu ebener Erde im künftigen Konsumtempel, sondern auch in den Stockwerken darüber, mit ihren 6000 m² für die Innsbrucker Stadtverwaltung und im neunstöckigen gläsernen Turm des neuen Gebäudekomplexes im Zentrum der Stadt, den der französische Architekt Dominique Perrault als Sieger eines geladenen Wettbewerbes realisiert hat.

Ob ein Perrault schon eine Weltstadt ausmacht - viel Glas und interessante architektonische Details erlauben jedenfalls neue und reizvolle Blicke in alle Himmelsrichtungen.

Eine Investorengruppe mit dem Rechtsanwalt Hans Rubatscher an der Spitze hat 53 Millionen Euro investiert und nach dem Modell von Private-Public-Partnership versucht, ihre Interessen mit jenen der Stadt nach einem neuen Rathaus zu verknüpfen. Aus der Sicht von Bürgermeister Herwig van Staa ist dies gelungen, nicht zuletzt weil das ansonsten übliche Muster "Privatisierung der Gewinne und Kommunalisierung der Verluste" verhindert worden sei.

Mit dem neuen Rathaus würden nicht nur die bisher getrennten Amtsgebäude in der Maria-Theresien- und der Fallmerayerstraße verbunden, sondern auch viele bisher dezentral untergebrachte Ämter zusammengefasst. 61 statt bisher 40 der insgesamt 89 städtischen Dienststellen gibt es demnächst - behindertengerecht - unter einem Dach, auch ein neuer Sitzungssaal für den Gemeinderat wurde errichtet. Die Stadt könne daher zahlreiche Mietobjekte auflassen, erklärt van Staa und beziffert die Aufwendungen aus dem Gemeindebudget mit 16,7 Millionen Euro, einschließlich einer Sanierung der alten Rathausteile.

Integriert in das Projekt ist auch ein am Wochenende eröffnetes Viersternehotel. Im kommenden Jahr soll eine ebenfalls von Perrault geplante Erweiterung die RathausGalerie auch nach Süden zur Anichstraße erschließen. Damit, so van Staa, würden sich im eng begrenzten innerstädtischen Raum völlig neue Fußwegachsen erschließen.

Im Oktober sollen am angrenzenden Areal des Adolf-Pichler-Platzes 31 Bäume gepflanzt werden, kündigt van Staa an: "Das sind mehr als vorher." Im Sommer 2000 hatten Umweltschützer den damaligen Park samt seiner alten Bäume fast zwei Wochen lang besetzt. Eine "freiwillige" Räumung war damals erst durch massiven Polizeieinsatz erreicht worden. (hs/DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2002)

Share if you care.