190 Millionen für das neue "Lichtgoscherl"

9. September 2002, 19:36
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Neue U-Bahn-Garnitur geht in Serie - 25 Züge bis 2005

Wien - Bisher kannten sie nur eingeweihte Fahrgäste der Wiener U3, die neue - noch so wohlriechende - U-Bahn-Garnitur. Schnittig-weiß mit orange-schwarzen Streifen ist sie bisher von Wien-Simmering nach Wien-Ottakring und wieder retour gefetzt. Aber ab 2005 verkehren Züge der neuen Art durch das gesamte U-Bahn-Netz, werden die unterirdischen Schächte mit einem "freundlichen V-förmigen Lichtgoscherl" erleuchtet, wie eine Passagierin das moderne Design der Züge umschreibt. Die alten so genannten Silberpfeile hätten dagegen "schmallippig" gewirkt, so die Umschreibung für den horizontalen Lichtbalken an der Zugspitze der alten Wiener U-Bahn-Wagen.

Metallsitze

Fahrgäste mit kräftigem Sitzfleisch sind als U-Bahn-Benutzer der Zukunft offenbar bevorzugt. Künftig werden sie nämlich auf Metallsitzen mit "wärmender" Kunststoffauflage Platz nehmen, nicht mehr auf weichen Polsterungen. Die seien "passé", heißt es bei den Wiener Linien, weil weniger hygienisch und oft Ziel von Vandalismus gewesen. Mann und Frau können sich nun getrost den prüfenden Blick auf den Polstersitz sparen, ehe sie sich setzen. Auf Metall pickt und fleckt das verschüttete Cola nicht halb so gut.

Die Ausstattung der Züge wird überhaupt sehr schlicht gehalten. Strukturlose Seitenwände, glatte und eher dunkle Böden - alles leicht abwaschbar und weniger schmutzanfällig.

Vorerst wurden beim Produzenten, der Simmering SGP, 25 Garnituren in Auftrag gegeben - eine Investition von 190 Millionen Euro in den nächsten Jahren. Bis 2008 sollen alle Züge, die inklusive aller Waggons 132 Meter je Garnitur lang sind, im Einsatz sein. Der Rahmenauftrag sieht allerdings 60 neue Garnituren für die folgenden Jahre vor.

Wanderbare Züge

Bekannt ist bereits, dass die neuen Züge durchwanderbar sind - von der Fahrerkabine bis zum letzten Waggon.

Das soll den 900 Fahrgästen, die darin Platz haben, subjektiv ein höheres Sicherheitsgefühl bescheren. Und gleichzeitig ein Ärgernis beenden: Dass sich zu den Hauptbetriebszeiten morgens und abends die Fahrgäste im Türbereich sehr kompakt quasi übereinander stapeln, während im Wageninneren noch locker Platz wäre. Die Passagiere könnten sich in den offenen Waggons nun besser verteilen, glaubt man bei den Wiener Linien.

Gewöhnungsbedürftig wird allerdings eines werden: Die Passagiere werden künftig in den Waggons videoüberwacht, ebenfalls ein Sicherheitsaspekt. Bisher grinsten ganz Lustige nur auf der Rolltreppe in die Überwachungskameras. (aw/DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2002)

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