Chaostage bei der FPÖ

9. September 2002, 20:02
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Michael Völker befürchtet einen ganz tiefen Wahlkampf Haiders und seiner Kumpanen

Rücktritte, Austritte, Beflegelungen, Schuldzuweisungen. Die FPÖ befindet sich nach den Rücktritten von vier ihrer wesentlichsten Repräsentanten in einem erbärmlichen Zustand. Nicht dass es in den Wochen zuvor viel besser gewesen wäre, aber zu einer Befriedung des Konflikts hat dessen Eskalation nicht gerade beigetragen. Der Riss quer durch die Partei ist noch tiefer geworden.

Auch das Bild Jörg Haiders hat bei seinen Anhängern Risse bekommen. Die Funktionäre und Sympathisanten können sehr genau zuordnen, wer für das Scheitern der Regierungsbeteiligung verantwortlich ist: der Stern des Südens, dessen Licht in Wien nicht ganz so hell glänzt wie in Klagenfurt. Es war Haider, der die Funktionäre gegen Riess-Passer und Grasser in Bewegung gesetzt hat - und so das unrühmliche Scheitern der einst so befeierten Wende zu verantworten hat.

Die Stärke der FPÖ im Wahlkampf war immer der Endspurt. Aber von jetzt an sind nur zwei Monate Zeit, das ist verdammt knapp. Es gibt kein Team, nicht einmal einen Spitzenkandidaten. Geschweige denn irgendeine Form von Strategie. Aber Letzteres war noch nie das Problem der Freiheitlichen. Zum ordentlich Dreinhauen hat es immer noch gereicht.

Aber wie soll diese Partei in den Wahlkampf gehen? Als gescheiterte Regierungspartei? Als mitregierende Opposition? Und werden Riess-Passer und Grasser an vorderster Front das Glück, bei den Freiheitlichen zu sein, verkaufen?

Die Chaostage bei der FPÖ lassen eigentlich nur eine Befürchtung zu: Es wird ein ganz tiefer Wahlkampf werden, Jörg Haider und seine Kumpanen werden ins unterste Schubladl greifen. Privilegienwirtschaft, Postenschacher und Machtrausch können sie diesmal aber immerhin aus eigener Erfahrung beschreiben. (DERSTANDARD, Printausgabe, 10.9.2002)

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