Durchatmen mit schönem Parkblick

9. September 2002, 19:25
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Die ÖVP verordnet Regierungsmitgliedern derzeit "Wien-Tage" - Kulturstaatssekretär Morak besuchte die Lauder-Chabad-Schule im Augarten

Wien - Im Augarten ist es schön. Einfach schön. Alles ist grün. Die Welt, in der Regierungen wackeln, Lügen regieren und Haltung eine Frage der Windrichtung ist, liegt draußen - außerhalb der Parkmauern. Glücklich, wer am Montagvormittag im Park sein kann: Jogger. Mütter mit Kinderwagen. Pensionisten.

Was das mit Franz Morak zu tun hat? Eigentlich nichts. Außer dass auch der die Ruhe des Parks zu schätzen weiß. Schließlich ist der Kunststaatssekretär derzeit auf Wien-Woche. Eigentlich auf "Wien-Tagen": Just so, als wäre schon Wahlkampf, touren die VP-Mitglieder der Noch-Bundesregierung derzeit durch die Stadt - und erklären dabei Wiener VP-Mandataren und ihrer Begleitung Wiener Spezifika und Wiener Projekte. Auch Morak ("keine Angst, ich will Alfred Finz den Obmannposten nicht wegnehmen"). Am Montag war er im zweiten Bezirk. Mit Blick auf den Augarten. Angenehm.

Dabei sind die Wien-Tage eigentlich hoch politisch: Die ÖVP will darauf hinweisen, was die schwarz-blaue Regierung hier leistet und noch leisten will. Oder besser: gerne noch geleistet hätte.

Schule mit Grünblick

Franz Morak hat es im Augarten dabei relativ leicht. Er besuchte die Lauder-Chabad-Schule am nördlichen Rand des Parks: Die Schule mit 300 jüdischen Kindern zwischen vier und 17 Jahren ist vor drei Jahren aus der Enge des neunten Bezirks in den modernen Bau von Adolf Krischanitz gezogen.

Alle sind glücklich. Morak schüttelt Hände. "Grüß Gott. Ich heiße Franz Morak." Seine Frau sei auch Volksschullehrerin. Gar nicht weit weg von hier. Volksschüler fragen nicht nach Neuwahlen - und verbinden mit "Schmiss" oder "unsere Ehre heißt Treue" kein Weltbild.

Beim Reden über den Grund des Besuches im Augarten überlässt der Bundespolitiker das Feld anderen. VP-Nationalrätin Gertrude Brinek, seit Jahren in Sachen Augarten aktiv, übernimmt: Der Park soll - im Rahmen eines EU-Projektes - in den nächsten Jahren belebt, saniert und aufgewertet werden (DER STANDARD berichtete). Derzeit laufen Gespräche. Verbindliches über Geld oder Termine kann dem Staatssekretär dazu noch niemand ernsthaft entlocken wollen.

Das Projekt, Wiens schönsten Barockpark wieder an seinen Originalzustand heranzuführen, ohne ihn den Benutzern wegzunehmen, ist politisch außerdem unumstritten: "Bei der Präsentation war der Mailath (Andreas, Wiens Kulturstadtrat, SPÖ, Anm.) ja auch da", betont Morak - und freut sich dann über die geplanten Projekte: "Ich bin sehr für das, was der Noever (Peter, Direktor des MAK, Anm.) im Flakturm plant."

Der falsche Bunker

Letzterer - Noever - will in einem Gefechtsturm Museusmraum schaffen und das Dach für Kunst und Gastronomie öffnen. Seit Jahren wird die Idee von Ministeriumsschublade zu Ministeriumsschublade gereicht: allein, es fehlt an Geld.

Dass Peter Noever mit seinem Projekt allerdings vom Arenbergpark (3. Bezirk) in den Augarten (2. Bezirk) übersiedelt sei, hätte wohl auch den MAK-Chef selbst überrascht. Darum beeilt sich Gertrude Brinek richtig zu stellen, dass im Augarten-Turm ein großer Datenspeicher geplant sei: "Die VP hat eine Umfrage gemacht, die Leute sind dafür, dass die Türme genutzt werden."

Egal: Der Park wird schön, der Staatssekretär ist guten Willens, das seine dazu beizutragen. Und der Kaffee in der Schulbibliothek mit Blick auf den Park ist so weit weg von der österreichischen Politbühne.

Nur zum Schluss - es ist Vormittag - kann der Leiter der Lauder-Chabad-Schule, Rabbiner Jacob Biderman, sich einen Satz nicht verkneifen: "Eine Zusammenarbeit mit Leuten mit Schnitten im Gesicht wäre ein Verrat an allen Idealen der ÖVP." Der Staatssekretär nickt: "Dem ist nichts hinzuzufügen. Ein schönes Schlusswort." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2002)

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