Ins Trockene gebracht

24. September 2002, 23:05
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Das neue Abfertigungspaket ist geschnürt - Ab 1.Jänner 2003 gilt das neue Abfertigungsrecht

Ab kommendem Jänner gilt das neue Abfertigungsrecht. Damit haben mehr Menschen Anspruch auf eine Abfertigung, sie erhalten jedoch insgesamt weniger Abfertigungsgeld. Zudem bringt die Abfertigung neu eine Richtungsänderung im Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber: Wurden bis jetzt die Sesshaften für ihre Betriebstreue belohnt - volle zwölf Monatsgehälter Abfertigung nach 25 Dienstjahren und Verlust der Abfertigung bei Selbstkündigung - so wird nun die Mobilität gefördert.

Genau in diesem Punkt scheiden sich auch die Geister: Während etwa der Hotelier Helmut Peter vom "meistbejubelten Flop aller Zeiten" spricht, loben die Sozialpartner die neue Abfertigung als "Jahrhundertwurf".

Stimmung gemischt

In den Unternehmen ist die Stimmung gemischt. Grundsätzlich herrscht noch Unsicherheit, weil die notwendigen Verträge mit den Mitarbeitervorsorgekassen noch nicht geschlossen werden konnten. Gleichzeitig kommt auf die Personalverrechnung im Herbst eine Menge Mehrarbeit und Schulungsaufwand zu. Andererseits können aber gerade kleinere Unternehmen durch ein gleichmäßigeres Bilanzbild - künftig ohne niedrig verzinste Rückstellungen und mit gewaltigen Abflüssen im Fall mehrerer Personalabgänge - profitieren. Denn künftig stehen für die Abfertigung regelmäßig kalkulierbare Zahlungen - 1,53 Prozent von der Bruttolohnsumme - an.

Auf die Dienstnehmer und ihre Betriebsräte kommen ebenfalls arbeitsreiche Monate zu. Sie werden in eine Veranlagungsgemeinschaft gezwungen. Sie müssen sich entscheiden, ob sie im alten System bleiben oder wechseln, sie müssen eine Betriebsvereinbarung zur Auswahl ihrer künftigen Mitarbeiterkasse und deren Veranlagungsstrategie zusammenbringen. Damit entscheiden sie über die Abfertigungsregelung für alle neuen Kollegen.

Nachdenkpause

Wesentliche Zuflüsse dürfen sich die neuen Kassen - neun haben um eine Konzession angesucht - aber vermutlich nicht gleich erwarten. Da Unternehmen als Steuerzuckerl ihre Rückstellungen 2003 steuerfrei auflösen können, um sie 2004 zu übertragen, darin aber wiederum Liquiditätsfallen lauern, rechnet etwa Heinz Harb, Geschäftsführer der LBG Wirtschaftstreuhänder, mit einer "Nachdenkpause" im kommenden Jahr. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe 10.9.2002)

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    foto: photodisc
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