CyberTron-Konkurs noch nicht abgewendet

10. September 2002, 17:50
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KSV: Teil-Barquote von bis zu zehn Prozent derzeit "Knack- und Angelpunkt" für Annahme des Ausgleichs

Der insolventen Wiener Telefongesellschaft CyberTron droht noch immer der Anschlusskonkurs: Ob die rund 460 Gläubiger dem angebotenen Ausgleich zustimmen, blieb auch nach der heutigen Ausgleichstagsatzung offen.

Noch nicht abstimmungsreif

"Die Sache ist noch nicht abstimmungsreif", sagte KSV-Insolvenzexperte Christian Vavrik Dienstagnachmittag zur APA. "Knack- und Angelpunkt" für die Annahme des Ausgleichs sei eine Teilbarquote von 5 bis 10 Prozent, die von CyberTron "relativ rasch" zu bezahlen wäre. Dies müsse noch abgeklärt werden. Deshalb sei die "alles entscheidende Abstimmungs-Tagsatzung" nun auf den 24. September erstreckt worden, so Vavrik.

Laut dem von Ausgleichsverwalter Peter Schulyok erstellten Status ist CyberTron mit Gläubigerforderungen von 82,7 Mill. Euro konfrontiert. Dem stehen Aktiva von 8,3 Mill. Euro gegenüber.

Erhebliche Verzichtserklärungen

Für Schulyok ist der Ausgleich nur dann erfüllbar, wenn die Gläubiger "erhebliche Verzichtserklärungen für die Verbindlichkeiten abgeben". Fast 51 Mill. Euro des von den Gläubigern angemeldeten Forderungsvolumens seien strittig - darunter Forderungen der Telekom Austria (TA), der insolventen Wiener Softwarefirma YLine oder der "Kronen-Zeitung". Auch dies sei ein Grund gewesen, die Ausgleichstagsatzung zu erstrecken, sagte Vavrik.

Von CyberTron selbst ist nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 28. Juni 2002 nicht viel übrig geblieben. Die nach wie vor börsenotierte Firma wird zurzeit in stark reduziertem Umfang und in Kooperation mit dem alternativen Telekomanbieter UTA fortgeführt. Inzwischen werden von den zuletzt 107 Mitarbeitern nur noch 10 (ohne Vorstand) beschäftigt.

Nach Libro die bisher zweitgrößte Insolvenz des Jahres

CyberTron - nach Libro heuer die bisher zweitgrößte Insolvenz - musste den Gang zum Insolvenzgericht antreten, nachdem die Telekom Austria (TA) dem alternativen Telekombetreiber wegen unbeglichener Rechnungen in Höhe von 5,5 Mill. Euro die Leitungen gekappt und ihm damit den geschäftlichen Lebensnerv entzogen hatte.

Die erste Jahreshälfte 2002 war für CyberTron von der Insolvenz überschattet: Drastische Wertberichtigungen in der Bilanz hatten das Vorsteuerergebnis (EGT) bei schrumpfendem Umsatz wie berichtet von minus 14,5 Mill. Euro auf minus 55,6 Mill. Euro absacken lassen.

Kein Wettbewerbsverstoß durch Telekom Austria im Fall "CyberTron"

Die Telekom Austria (TA) hat im Fall des Telekombetreibers CyberTron nicht gegen Wettbewerbsregeln verstoßen. Eine Diskriminierung durch TA im Zusammenhang mit der Netztrennung von CyberTron habe nicht festgestellt werden können, gab die Telekom-Control-Kommission (TCK) nun bekannt.

Die TA hatte ihre Leitungen im Juni wegen offener Forderungen gekappt und damit die Insolvenz von CyberTron ausgelöst. Die TCK hatte daraufhin eine Untersuchung eingeleitet, weil der Verdacht auf Diskriminierung nach Paragraph 34 des Telekommunikationsgesetzes (TCK) bestanden hatte.

Bedenken

Bedenken habe es hinsichtlich der Rechtmäßigkeit der Netztrennung, der Marketingmaßnahmen der TA zur Rückgewinnung von CyberTron-Kunden und der Portierung von geografischen und Diensterufnummern gegeben. (APA)

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