Ex-Spitzenpolitiker per Jobinserat zu haben

10. September 2002, 12:49
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Westenthaler im STANDARD-Gepspräch über seine Zukunftswünsche: Für sich einen Beruf und für die Partei Haider als Chef

Wien - Am Tag nach dem kollektiven Rücktritt der FP-Spitzenmannschaft bewies Gerade-noch-FP-Klubobmann und Bald-schon-einfaches-Parteimitglied Peter Westenthaler am Montag Galgenhumor: "Vielleicht gebe ich ein Inserat auf. Exspitzenpolitiker sucht Job. Besondere Fähigkeiten: 15-jährige Erfahrung in politischem Management, Vorbildung in Rhetorik, Führungsqualität und natürlich Spezialist in Öffentlichkeitsarbeit", kokettierte Westenthaler im STANDARD-Gespräch.

Vielleicht muss Westenthaler, Ingenieur mit HTL-Abschluss, aber gar nicht auf ein Zeitungsinserat vertrauen, hat ihm doch sein "väterlicher Freund" FP-Nationalrat Gerhard Bauer schon vor längerem ein Auffangnetz in der Privatwirtschaft gespannt und ihm die Führung seiner Ofenrohr-Fabrik angeboten.

Klar ist die nähere Zukunft Westenthalers. Nach der Amtsübergabe als Klubchef wird er in die Abgeordnetenbank zurückrutschen und dort weiterarbeiten "bis es aus ist". Immerhin sei sein Mandat mit 11.000 Vorzugsstimmen aus seinem Heimatbezirk ausgestattet. Als jemand, für den "Politik immer wie eine Droge war", werde er der Politik natürlich nicht völlig "Adieu" sagen. "Neben meinem Zivilberuf werde ich weiter in der FPÖ-Simmering als einfaches Parteimitglied mitarbeiten."

Die Agenden als Klubobmann will Westenthaler am 18. September "anständig übergeben" - am liebsten an jemanden "aus der aktuellen Parlamentsriege. Es sollte niemand von außen sein" - spielt Westenthaler auf den Mann an, den er für den eigentlichen Totengräber der Wende - "Auch wenn das Projekt der Wende tot ist, bleibt die FPÖ ein wichtiger Faktor" - und das Drama in der FPÖ hält: FP-Volksanwalt Ewald Stadler. "Herr Stadler und seine Kohorten wollten dieses Projekt zerstören und ich hoffe, Österreich bleibt jemand wie er in einer politischen Tätigkeit erspart."

"Kein böses Wort"

Nicht ersparen, sondern, ganz im Gegenteil, wieder als Parteichef etabliert haben möchte er Jörg Haider. "Ich hoffe, dass er es macht. Das ist auch die einzige Chance für die FPÖ, zumindest jene Wähler zu gewinnen, die bei der letzten Wahl dabei waren." Wie dem FP-Klubchef überhaupt "kein böses Wort" über Haider und "Überläufer" Herbert Scheibner entfahren will. "Scheibner ist und bleibt einer meiner besten Freunde. Ich hoffe, dass es bei Jörg Haider auch so ist. Meinerseits wird es immer so sein." Letztlich sei man "an einer politischen Frage gescheitert und an Fragen des Stils. Das wird aber niemals die menschliche Basis zerstören", so Westenthaler. "Immerhin ist Haider mein Trauzeuge, daher sind wir privat sehr verbunden."

Ein erster "sehr emotionaler Abschied" galt seinem parlamentarischen Zwilling, VP- Klubobmann Andreas Khol. In einer äußerst wechselhaften Beziehung, die vom quasi Vater-Sohn-Verhältnis bis zu zeitweiliger Kontaktsperre geprägt war, sei schlussendlich, so Westenthaler die "innigste Verbindung" zu jemandem außerhalb der FPÖ gewachsen: "Wir werden uns sicher des Öfteren sehen und vielleicht die eine oder andere Bergtour machen." (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.9.2002)

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    "Scheibner ist und bleibt einer meiner besten Freunde. Ich hoffe, dass es bei Jörg Haider auch so ist. Meinerseits wird es immer so sein", so der baldige Ex-FPÖ-Klubobmann und mögliche Ofenrohr-Fabrikant Peter Westenthaler

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