"Good politics is goods news"

9. September 2002, 15:40
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Presserätetagung: Außenministerin Ferrero-Waldner unterstreicht Macht und Verantwortung der Medien

Auf der Tagung der an österreichischen Auslandsbehörden tätigen Presseräte hat Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (V) die neue, offensive Art der Zusammenarbeit mit den Medien unterstrichen. Den Medien komme ein beträchtliches Maß an Verantwortung zu, und gleichzeitig werden die für die Pressearbeit verantwortlichen Mitarbeiter des Außenamtes "immer mehr zu Kommunikatoren", erklärte die Außenministerin am Montag zum Auftakt der zweitägigen Veranstaltung in den Räumen der Europäischen Journalismus Akademie in Wien. Für die Presse- wie für die politische Arbeit gelte der Spruch: "Good politics is good news."

"Außenpolitik wird heute vor der laufenden Kamera gemacht"

Ferrero-Waldner betonte, wie wichtig es für die Presseräte im Ausland sei, mit den Medien Kontakte zu pflegen und Partnerschaften zu suchen. "Kabinettspolitik hinter verschlossenen Türen" gebe es nicht mehr, vielmehr gehe es darum, sich den Medien des jeweiligen Landes zu stellen und ein professionelles Arbeitsverhältnis aufzubauen. Die Rolle der Medien habe sich für die moderne Diplomatie gewandelt: "Außenpolitik wird heute vor der laufenden Kamera gemacht und der Vermerk 'Vertraulich' auf einem Botschaftsbericht führt in der Regel dazu, dass er besonders schnell seinen Weg in die Medien findet." Andererseits müssen die Journalisten im Umgang mit den Medienverantwortlichen der Auslandsvertretungen einen Code of Contact finden.

Heute machten nicht mehr nur Politiker und Parlamentarier Politik, sondern auch die Zivilgesellschaft und die Medien, sagte Ferrero-Waldner. Sie erinnerte an Medienereignisse wie die TV-Duelle zur deutschen Bundestagswahl oder die Berichte über die Terroranschläge in den USA, die Millionen Zuschauer verfolgen. "Der Kampf um die Bilder geht hinein bis ins Wohnzimmer." Medien, die bestimmte Bilder und Eindrücke vermitteln, "machen oft mit jeder Kameraeinstellung, mit jeder Sujetwahl eines Journalisten weltweit Politik".

Diese Macht der Medien bedeute auch ein hohes Maß an Verantwortung, so die Ministerin: "Jede - vielleicht aus Gründen der Auflagensteigerung gewählte - einseitige Darstellung, jedes bewusste oder unbewusste Anknüpfen an Stereotype, die vom Publikum leichter erfasst oder gar erwartet werden, wird durch die Medien tausendfach multipliziert. Auf diese Weise können Bilder auch zu Zerrbildern einer - unserer - neuen Realität werden", führte Ferrero-Waldner aus.

Meinungsaustausch

Nach der Rede der Ministerin fand ein Meinungsaustausch zwischen Diplomaten und Medienvertretern statt. Dabei ging es um Möglichkeiten für eine bessere Kooperation in der beiderseitigen Pressearbeit und um konkrete Fragen der Pressebetreuung. Seitens des ORF berichteten Eugen Freund (früher Korrespondent in Washington) und Christian Wehrschütz (Balkan-Korrespondent) über ihre Tätigkeitsbereiche. Hedwig Kainberger, frühere Brüssel-Korrespondentin der "Salzburger Nachrichten", sprach die Probleme der Printmedien an. Freund konstatierte ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Politik und Medien in Österreich. Wehrschütz schilderte, wie schwer sich offizielle Besuche mangels Newswert oft medial verarbeiten lassen. Mehrfach wurde festgestellt, dass gerade in Osteuropa wegen des Fehlens von ansässigen österreichischen Korrespondenten enge und offene Kontakte mit den Pressestellen der Botschaften besonders wichtig sind.

Der Leiter der Europäischen Journalismus Akademie, Maximilian Gottschlich, hielt auf der Presserätetagung ein Referat zum Thema "Professionelle Medienarbeit - Ist das Image eines Landes gestaltbar?". Am Nachmittag wird die Veranstaltung im Radiokulturhaus fortgesetzt. Im Zentrum der Diskussion steht das Thema "Medien und die Macht der Kriegs- und Terror-News". Im Lichte des bevorstehenden Jahrestags der Terroranschläge in den USA diskutieren unter anderen Frank Sesno vom US-Nachrichtensender CNN, Jan Repa von BBC World Service und Antonia Rados von RTL Paris. Am Dienstag stehen Diskussionen über die EU-Erweiterung und ein Meinungsaustausch mit dem Politikwissenschafter Fritz Plasser auf der Tagesordnung. (APA)

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