Gefangen, auch im Erinnern

13. Mai 2005, 13:48
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Die parteipolitische Gegenwart schreibt sich selbst.

Aus dem individuellen und dem kollektiven Umgang mit Erinnern und Vergessen wird die politische Gegenwart in Österreich zu einer Romanessenz destilliert, die vor allem als Mittel gegen eine Zukunft, die gefährlich einer schon gehabten Vergangenheit gleichen könnte, einzunehmen ist.

In Gefangen, auch im Erinnern muß nicht, wie in Romanen üblich, literarisch versucht werden, politische Wirklichkeiten nachzuzeichnen – die parteipolitische Gegenwart schreibt sich selbst durch ihre derzeitigen österreichischen Funktionsträger: Andreas Khol, Gottfried Feurstein, Peter Westenthaler gestalten mit ihren Antworten ihre Kapitel selbst; Thomas Klestil, Wolfgang Schüssel, Ernst Strasser, Susanne Riess-Passer und Jörg Haider machen ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu ihren Erzählern.

Zeitgeschichte kommt ausschließlich in bezug auf ihre Relevanz für die Gegenwart und ihre Bedeutung für und ihre möglichen Auswirkungen auf die Zukunft vor. Es geht also in keiner Weise darum, einmal mehr die Verbrechen des Dritten Reiches auf die Bühne der Tugendhaften zu zerren, die zweite Hauptrolle Österreich zu verreißen, sondern zu zeigen, wieviel Zeit es bedarf, bis nationales Unrecht, das im nachhinein immer niemand wollte, in seinem gesamten Ausmaß tatsächlich Wirklichkeit wird, und wieviel Zeit es danach wiederum bedarf, bis nationales und ethisches Unrecht eingestanden wird.

Bernhard Kraut
Format: 13 x 21 cm
128 Seiten
Paperback, broschiert
Preis: 14,90 EUR
ISBN: 3-85266-191-9
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