Lob für die zweite Auflage

9. September 2002, 13:54
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... von prominenten Kultur- und Medienschaffenden

Das zweite TV-Duell zwischen dem deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder und seinem Herausforderer Edmund Stoiber hat bei Prominenten aus Kultur und Medien mehr Anklang gefunden als die erste Runde. "Es war Etagen spannender. Und substanzieller", sagte der Publizist Henryk M. Broder dem Berliner "Tagesspiegel". Lob gab es auch für die Moderatorinnen Sabine Christiansen und Maybrit Illner. "Die beiden Frauen waren gut, besser als die Männer beim ersten Duell. Christiansen und Illner sind die eigentlichen Sieger des Duells", erklärte Parteienforscher Richard Stöss.

Lebhafter

Die beiden Moderatorinnen hätten dafür gesorgt, dass die Debatte lebhafter gewesen sei, sagte Stöss. "Ich fand es sehr viel spannender als bei der Premiere. Alle Parteien haben gelernt", kommentierte "Tagesthemen"-Moderatorin Anne Will. "Etwas besser und etwas lebendiger als beim letzten Mal", erklärte auch Ex-RTL-Chef Helmut Thoma.

Sat1 enttäuscht

Enttäuscht zeigte sich dagegen Sat1-Chefredakteur Jörg Howe: "Die Moderation hat mich enttäuscht - etwas zerfahren. Beide Journalistinnen können mehr."

Bei den beiden Duellanten sah Howe Stoiber "leicht vorn, weil er zum Angriff geblasen hat". Insgesamt gab es aber mehr Lob für Schröder. Dieser sei "entspannt, locker" gewesen und habe "an den richtigen Stellen interveniert", sagte Broder. Stoiber dagegen bezeichnete Broder als "Nörgler, er hat genölt und hat nur auf Fehler aufmerksam gemacht". Stöss erklärte, ihm sei "aufgefallen, dass Schröder wesentlich lockerer als beim letzten Mal war". Der Regisseur Hark Bohm sagte in einer SPD-Publikation, das Duell habe gezeigt, wer besser reagieren könne, wenn er sich bei einer unerwarteten Situation entscheiden müsse. Schröder habe dabei "sehr viel schneller und sehr viel sicherer geantwortet".

Kritik an Themen

Kritik an der Themenauswahl äußerte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg: "Das Ausblenden der großen Themen wie Umwelt ist unmittelbar nach dem Scheitern von Johannesburg nicht nachzuvollziehen." Auch zur Wirksamkeit eines solchen Duells gab es weiter kritische Stimmen. "Eine Aufklärung sehe ich durch dieses Format überhaupt nicht. Die Leute werden in dem bestärkt, was sie ohnehin glauben", erklärte Thoma. Der Schauspieler Ulrich Matthes sagte, da er ohnehin schon vorher seine Wahlentscheidung getroffen habe, sei der Erkenntnisgewinn für ihn "gleich Null" gewesen. "Ich freue mich deshalb schon auf das nächste Duell in vier Jahren zwischen Sigmar Gabriel und Angela Merkel." (APA/AP)

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