Finanzmarkt wünscht FPÖ in Opposition

10. September 2002, 14:51
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Mit "SP-Effekten" bei Privatisierungspolitik wird gerechnet

Wien - Nach dem "Zerbröseln" des FPÖ-Regierungsteams kommt es nun zu Neuwahlen. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (VP) wird dies dem ÖVP-Parteivorstand am Dienstag vorschlagen. Befragt zu ihren Einschätzungen nach der Zusammensetzung einer nächsten Regierung räumen Investmentbanker in Wien, die namentlich nicht genannt werden wollen, der FPÖ eher eine starke Oppositionsrolle ein denn eine weitere Regierungsbeteiligung. "Haider wird landauf, landab als Retter der kleinen Steuerzahler trommeln." Im Markt tippt man zur Zeit jedenfalls auf "Rot/Schwarz" oder "Rot/Grün" als wahrscheinlichste Szenarien. "Neuwahlen sind sehr wahrscheinlich, dann gibt es die beiden Varianten Rot/Schwarz und Rot/Grün - beides ist für den Kapitalmarkt nicht gut", meinte ein anderer Analyst.

Keine baldige Totalprivatisierung

Mit Spannung wird in den Investmentbankkreisen die künftige Zusammensetzung der Wirtschafts- und Finanzpolitikerriege auch im Hinblick auf die weitere Privatisierungspolitik erwartet: Sowohl in einer Variante "Rot/Schwarz" als auch bei "Rot/Grün" wird erwartet, dass die Staatsholding ÖIAG ihre Funktion als "Kernaktionärin" untermauert, was letztlich auch keine baldige Totalprivatisierung der verbliebenen ÖIAG-Beteiligungen bedeuten würde.

Insbesondere für die im ATX gelisteten Unternehmen in Teilstaats-Eigentum wie AUA, OMV, Böhler, Voest, VA Tech, Telekom Austria sei der Privatisierungskurs essenziell, sind sich Marktbeobachter einig. Bis sich die Lage beruhigt hat bzw. eine neue Regierung und ihr Programm fest steht, dürften internationale Investoren die aktuelle Entwicklung in Österreich mit Vorsicht sehen, glauben Investmentbanker.

Privatisierungsprogramm Thema

Langfristig sei aber der Fortgang des Privatisierungsprogramms natürlich schon ein Thema für den Kapitalmarkt. Nachdem der scheidende FP-Finanzminister Karl-Heinz Grasser die geplanten Privatisierungen und die geplante Auflösung der Privatisierungsholding ÖIAG deutlich vorangetrieben hatte, scheinen diese Pläne nun kurzfristig "auf Eis gelegt", so Reisenberger. Man müsse aber erst abwarten welche Konsequenzen die politische Situation für den Privatisierungskurs hat.

"Die Sozialdemokraten würden lieber den Staat als Kernaktionär sehen", so Reisenberger, der anders als zur Stunde mehrere seiner Kollegen anderer Häuser namentlich für ein offizielles Statement zu haben war. Insgesamt seien aber andere Themen wie die internationale Konjunkturflaute bedeutsamer für die Wiener Börse.

Börse unbeeindruckt

Unbeeindruckt von der politischen Situation zeigte sich die Wiener Börse selbst. Der ATX konnte sowohl am Montag als auch am Dienstag zulegen. Vorerst hat sich das Bild der vorgezogenen Neuwahlen von 1995 jedenfalls nicht wiederholt. Damals hatte der ATX nach dem Scheitern der Budgetverhandlungen in der Nacht zum 12. Oktober 1995 binnen acht Tagen mehr als acht Prozent eingebüßt. (APA)

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