Mehr Unfälle und Verletzte im Straßenverkehr

9. September 2002, 15:42
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5,4 Prozent weniger Verkehrstote im ersten Halbjahr

Wien - 402 Menschen sind seit Jahresbeginn im Straßenverkehr ums Leben gekommen, darunter elf Kinder. Das sind 5,4 Prozent weniger Verkehrstote als im ersten Halbjahr 2001. Die Zahlen der Unfälle und der im Straßenverkehr Verletzten stiegen hingegen weiterhin an. Immer öfter ist Alkohol im Spiel. Diese Daten gab die Statistik Austria heute, Montag, bei einer Pressekonferenz in Wien bekannt.

Problembereiche und Gegenmaßnahmen

Innenminister Ernst Strasser (V) sieht drei vorrangige Problembereiche: Jugend und Raserei, Jugend und Alkohol am Steuer sowie die Drängler, die durch ungenügend Abstand zum Vordermann Unfälle provozieren.

Strasser kündigte vier Gegenmaßnahmen an. Das Gefahrenbewusstsein junger Fahrzeuglenker soll durch Aufklärung gehoben werden: Das NÖ Pilotprojekt "Verkehrserziehung an Berufsschulen" wird ab November österreichweit durchgeführt. Im Kampf gegen Drängler werden zu den Abstandsmesssystemen, von denen jedes Bundesland eines besitzt, fünf zusätzliche Geräte angeschafft.

Drittens werde das Unfalldatenmanagement ausgebaut, wodurch gefährliche Straßenabschnitte schneller erkannt und entschärft werden sollen. Vierter Punkt ist der Einsatz der im Probebetrieb laufenden so genannten Section Control (automatische Geschwindigkeitsmessungen zur Ermittlung des Durchschnittstempos in Gefahrenbereichen) ab Anfang 2003.

Die Bilanz der Innenministers: Der Rückgang bei den Verkehrstoten zeige, dass man auf dem richtigen Weg sei. Die Zunahme bei Unfällen und Verletzten zeige, "dass noch viel Arbeit vor uns liegt".

Geringste Zahl seit 30 Jahren möglich

Ende 2002 könnte die geringste Anzahl an Verkehrstoten seit 1961 vorliegen, sagte Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV). Im EU-Vergleich nehme Österreich in diesem Punkt trotzdem nur den schlechten neunten Platz ein.

Das KfV fordert u.a. eine gesetzliche Regelung der von Fahrzeuglenkern einzuhaltenden Mindestabstände und höhere Strafen für schwere Delikte. Kritik übte Thann an den "Toleranzgrenzen" beim Tempolimit im Ortsgebiet, wo ungestraft um zehn km/h schneller als eigentlich erlaubt gefahren werden dürfe. "Das KfV ist für 'ehrliche' 50 km/h im Ortsgebiet!" Besonders Senioren als Fußgänger seien sonst gefährdet.

Daten im Detail

Unfalldaten im Detail: 19.493 Verkehrsunfälle mit Personenschaden sind in den ersten sechs Monaten 2002 passiert, ein Plus von 2,3 Prozent (446). Die Zahl der Verletzten erhöhte sich um 779 auf 25.809 (plus 3,1 Prozent). Dass es weniger Tote gab - im Vergleichszeitraum 2001 starben 425 Menschen - führen die Statistiker vor allem darauf zurück, dass es weniger Unfälle mit zwei oder noch mehr Todesopfern gab, sagte Ewald Kutzenberger, Generaldirektor der Statistik Austria. Denn die Zahl der tödlichen Unglück insgesamt ist nur geringfügig zurückgegangen. (APA)

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    Aufklärung, Abstandmess-System, Entschärfung von gefährlichen Straßenzügen und Section-Controll sollen die Zahl der Unfälle reduzieren.

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