Chaos im deutschen Tennis

12. September 2002, 15:58
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Daviscup-Kapitän Stich nach Querelen um Reaktivierung Boris Beckers enlassen

Ettlingen - Das deutsche Daviscup-Team steht elf Tage vor dem Abstiegsspiel gegen Venezuela (20.-22.9.) in Karlsruhe vor einem Scherbenhaufen. Der Deutsche Tennis Bund (DTB) entließ am Montag Teamkapitän Michael Stich nach dessen angekündigtem Rückzug mit sofortiger Wirkung. Zuvor hatte Stich Mannschaft wie Verband kritisiert. "Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Daviscup-Kapitän und den Spielern ist offensichtlich nicht mehr gegeben", begründete DTB-Präsident Georg von Waldenfels diesen überraschenden Schritt, der einem Rauswurf gleich kommt. Ex-Profi Patrik Kühnen wird interimistisch Stich nachfolgen.

Damit scheiterte nach knapp elfmonatiger Amtszeit in Stich bereits der dritte Daviscup-Sieger nach Boris Becker und Carl-Uwe Steeb als Teamchef. Der 33-Jährige war mit der geplanten Reaktivierung Beckers für das Venezuela-Spiel, auf Kritik der Verbandsspitze und der Spieler gestoßen. "So lange es diese Mannschaft nicht schafft, sich als Mannschaft zu finden, werden die noch endlos viele Daviscup-Kapitäne verschleißen. Es sind alles tolle Persönlichkeiten, aber als Mannschaft funktionieren sie nicht", sagte Stich.

Thomas Haas und Rainer Schüttler hatten für den Fall eines Becker-Comebacks angekündigt, "eventuell" nicht spielen zu wollen. Der Wimbledonsieger von 1991 betonte, er habe am Rande der US Open mehrfach versucht, mit den Spielern über einen Einsatz von Becker ins Gespräch zu kommen, weder von Haas noch von Schüttler aber eine Antwort erhalten. Er habe weder von den Spielern noch vom DTB ein großes Maß an Unterstützung erhalten, beklagte sich Stich. (AP/dpa)

  • Boris Becker wurde für Michael Stich zum Stolperstein

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