Herbert Scheibner: Ein Hauch großen Dramas auf der Schmiere

8. September 2002, 21:35
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Gerade dem unscheinbaren und bisher so unspektakulär agierenden Verteidigungsminister Herbert Scheibner war es vorbehalten, die blaue Schmiere um eine klassischen Dramen entliehene Note zu bereichern. Wie Scheibner in Haiders Lager am Knüppelfeld als sinistrer Verfasser eines vergifteten Briefes an seine Parteichefin auftrat, ließ einen Hauch großen Theaters durch das blaue Bierzelt wehen.

Auf freiheitliche Verhältnisse umgelegt, hatte sein Verrat geradezu Shakespearesche Dimensionen: Der grinsende Scheibner neben Jörg Haider, der ihn für die Formulierung eines eigentlich unannehmbaren Ultimatums an Riess-Passer lobte, hat, so wurde in diesem Moment offenkundig, für seine Person und Zukunft alles richtig gemacht. Er ist im richtigen Moment übergelaufen, er hat mit seinem "Kompromissvorschlag" Riess-Passer einen kaum zu parierenden Schlag versetzt und mit seiner Bereitschaft, ihr Nachfolge anzutreten, die Reihen der Parteichefin gesprengt.

Der Lohn, neben dem nun winkenden Amt des Vizekanzlers: Scheibner wird die geforderten Abfangjäger bekommen, so sich Haider nicht wieder anders besinnt und die Koalition lang genug hält, um den Ankauf wenigstens vertraglich zu fixieren.

Vor einer Woche hatte Scheibner noch geklagt, wie "frustrierend" es sei, Leuten beim Streiten zuzusehen, die jahrelang gut miteinander gearbeitet hätten. Scheibners Beitrag zum Abbau der Frustration hat kaum die Qualität, die Moderatoren zur Lösung gruppendynamischer Verspannungen empfehlen. Aber immerhin trägt er das seine zur Klärung der Verhältnisse bei, und bis auf weiteres weiß jeder, wo Scheibner steht und wie es um ihn bestellt ist.

Gerade als manche annehmen wollten, der 1963 geborene Wiener sei der blauen Buberlpartie entwachsen, reiht er sich dort wieder ein - eine Rückkehr zu den Wurzeln nach sehr kurzem Ausflug in die Selbstbestimmtheit als politisches Subjekt: Und siehe da, aus den Buberln sind inzwischen schon richtige Burschen geworden. Da lässt es sich bleiben.

In der FPÖ begonnen hat Scheibner 1983 als 20-Jähriger, der sich in der Steger-Ära zunächst beim Ring Freiheitlicher Studenten, dann in der Kommunalpolitik versuchte. Mit Haiders Aufstieg beschleunigte sich auch das Tempo der Karriere Scheibners: Nach einem kurzen Intermezzo im Parlamentsklub folgte er 1992 Heide Schmidt als Generalsekretär der FPÖ.

Bereits ein Jahr später wurde er Wehrsprecher, Erfahrung auf internationalem Parkett erwarb er sich als Delegierter bei der Nordatlantischen Versammlung und Mitglied der österreichischen Delegation zum Europarat. Die Übernahme des Verteidigungsressorts bildete den Höhepunkt der Karriere Scheibners. Bis auf weiteres. (DERSTANDARD, Printausgabe, 9.9.2002)

von Samo Kobenter
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    Herbert Scheibner, neuer FPÖ-Chef

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