Irak-Krise schlägt auf Spritpreis durch

9. September 2002, 10:27
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Opec könnte Förderausfall im Kriegsfall kurzfristig nicht abfangen - Analyse von Clemens Rosenkranz

Wien - Ein Krieg der USA gegen den Irak wird zumindest kurzfristig zu einer Verknappung der Ölversorgung und damit zu einem Preissprung führen. Bereits die laufenden Kriegsvorbereitungen haben die Preise stark anziehen lassen, nun steht den Autofahrern eine deutliche Spritpreisverteuerung ins Haus. In Rotterdam kletterte der Preis für Super-Benzin auf den höchsten Stand seit Juni 2001.

Um die Märkte nicht noch nervöser zu machen, hat die Opec angekündigt, bei einem Ausfall des Irak die Hähne aufzudrehen. Sorgen, dass die nahöstlichen Produzenten zur Ölwaffe greifen, sind dagegen unbegründet. Denn ein Boykott könnte bei der geringen weltweiten Nachfrage einen Preissturz auslösen.

Unabhängig davon würde ein Militärschlag zumindest zeitweise den gesamten Nahen Osten destabilisieren und die globale Ölversorgung gefährden. In der Region lagern zwei Drittel der weltweiten Ölreserven. Ein Krieg brächte zumindest die Förderung im Irak zum Versiegen. Bagdad exportiert im Rahmen des UN-Programms Öl gegen Lebensmittel 1,8 Mio. Fass, dazu kommen bis zu 300.000 Barrel, die der Irak illegal verkauft. Insgesamt entspricht das neun Prozent der Opec-Förderquote (täglich 21,7 Mio. Fass). Um die Preise zu drücken, will Washington die Opec zu einer Ausweitung der Förderung bewegen. Dies würde aber wenig bringen: Schließlich produziert die Opec schon jetzt zwei Mio. Fass mehr als vereinbart. Wegen der Kriegsangst hat diese Überproduktion aber nicht zu einem Preisverfall geführt. (Clemens Rosenkranz, Der Standard, Printausgabe, 09.09.20029

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