Leiden an der Verletzlichkeit

8. September 2002, 20:17
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USA: Umfrage zu Spätfolgen des Terrors - Al-Qa'ida wollte AKW angreifen

Ein Jahr nach den Attacken auf das World Trade Center und das Pentagon verspürt ein beträchtlicher Prozentsatz der Amerikaner immer noch ein Gefühl der erhöhten Verletzlichkeit. Laut einer jüngsten Umfrage von New York Times/ CBS News sind etwa die Hälfte der Amerikaner auch der Ansicht, die Regierung habe keinen klaren Plan zur Bekämpfung des Terrorismus.

Ein Viertel der Amerikaner fürchtet sich vor neuerlichen Attacken; im Nordosten, besonders Washington und New York, sind es gar ein Drittel. Nur einer von zehn Amerikanern erklärt, Präsident George W. Bush habe "wesentliche Fortschritte" in der Bekämpfung des Terrorismus gemacht.

Bush büßt ein

Auch die Popularität von Bush hat starke Einbußen erlitten: Laut der Washington Post sind seine Werte von 92 Prozent im vergangenen Oktober auf nur 69 Prozent gesunken; die New York Times fand einen Abstieg von 87 auf 66 Prozent. Und, obwohl laut Times/CBS nahezu zwei Drittel einen Präventivangriff gegen Saddam Hussein generell unterstützen, glauben ebenso viele Amerikaner, Bush habe seine Position gegenüber dem Irak noch nicht ausreichend erklärt. Ein Viertel der Befragten betrachtet den Irak als direkte Bedrohung Amerikas und ist der Meinung, die USA sollten gleich handeln, etwa zwei Drittel glauben jedoch, Bush solle sich zunächst der Unterstützung durch die Alliierten versichern.

Die britische Zeitung Sunday Times berichtet unterdessen, dass die Terrororganisation Al-Qa'ida ursprünglich geplant habe, gekaperte Flugzeuge in US-Kernkraftwerke zu steuern. Der Plan sei jedoch verworfen worden, da die Situation dadurch "außer Kontrolle" geraten wäre. Die entsprechenden Aussagen stammen vom Chef des Militärkomitees von Al-Qa'ida, Khalid Sheikh Mohammed, in einem Interview mit dem arabischen TV-Sender Al-Jazeera. Außerdem war das vierte Ziel der Flugzeugentführer am 11. 9. nicht das Weiße Haus, sondern das Kongressgebäude.

(DERSTANDARD, Printausgabe, 9.9.2002)
Susi Schneider aus New York
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