Berlusconi reist zu Bush

8. September 2002, 16:32
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Opposition: "Wahnsinn eines Präventivkriegs stoppen"

Cernobbio/Rom ) - Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi wird am Freitag mit US-Präsident George W. Bush das künftige Vorgehen gegen den Irak erörtern. Das teilte am Sonntag Verteidigungsminister Antonio Martino mit. Martino hatte kürzlich erklärt, Italien würde im Fall eines von den USA angeführten Kriegs gegen den Irak seinen Luftraum öffnen. Truppen sollen aber nur bereitgestellt werden, wenn es Beweise dafür gäbe, dass der irakische Staatschef Saddam Hussein Atomwaffen herstellen lasse.

Die geplante Unterredung sei "nützlich" um sich ein klares Bild über die Irak-Krise zu machen, erläuterte Martino. Über die weitere Entwicklung könne man keine klaren Aussagen machen. Es werde aber bald eine Entscheidung darüber fallen, welche Position Italien im Falle eines US-Militärschlags einnehmen werde. Eine solche Entscheidung müsse von der gesamten Regierung getragen und auch dem Parlament vorgelegt werden. Zuvor müsse man den Ausgang des Treffens Berlusconis mit Bush abwarten.

Der Grüne Spitzenpolitiker Alfonso Pecoraro Scanio forderte, Europa müsse den "Wahnsinn eines Präventivkrieges" stoppen. Berlusconi habe die Pflicht, vor seiner USA-Reise im Parlament zu erscheinen. Italien müsse sich ohne Wenn und Aber Deutschlands Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs Präsident Jacques Chirac anschließen, die sich am Samstag gegen einen Alleingang Washingtons ausgesprochen hatten. Ein Krieg gegen den Irak hätte verheerende Konsequenzen für den Nahen Osten und die ganze Welt. Pecoraro Scanio warf der Berlusconi-Regierung ihre unsichere Haltung in dieser Frage vor, die offenbar von der "Unterwürfigkeit gegenüber den kriegstreiberischen Erklärungen" Bushs diktiert werde. (APA)

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