61,2 Millionen Deutsche wählen unter 3.542 Kandidaten

8. September 2002, 14:36
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Erstmals ohne Umschlag - Teilweise elektronische Wahlgeräte - 80.000 Wahllokale und 630.000 Wahlhelfer - Endergebnis am 9. Oktober

Berlin - Bei der deutschen Bundestagswahl am 22. September stellen sich 3.542 Kandidaten dem Votum von 61,2 Millionen Wahlberechtigten. Sie wählen erstmals einen auf 598 Abgeordnete verkleinerten Bundestag, wie Bundeswahlleiter Johann Hahlen am Dienstag in Berlin erklärte. Derzeit gebe es 666 Abgeordnete. Die Zahl der Wahlkreise sei um 29 auf 299 verringert worden. Zum ersten Mal werde es bei der Urnenwahl keine Stimmzettel-Umschläge mehr geben. 24 Parteien treten mit einer Landesliste an, sagte Hahlen. Die DVU sei nicht mehr dabei.

Von den Wahlberechtigten insgesamt sind den Angaben zufolge 31,9 Millionen Frauen, der Frauenanteil bei den Kandidaten betrage rund ein Drittel. "Das Durchschnittsalter der Bewerber liegt wie bei der letzten Wahl auch bei 46 Jahren", erklärte Hahlen. Den jüngsten Kandidaten stelle die PDS im Wahlkreis Cloppenburg-Vechte mit Bastian Entrup, Jahrgang 1984. Die älteste Kandidatin trete für die Partei Christliche Mitte im Wahlkreis Segeberg-Storman-Nord an. Es handle sich um die 1918 geborene Gisela Steinbrück.

Überschwemmungsgebiete

"Es wird gelingen, die Wahl am 22. September auch in den Überschwemmmungsgebieten ordnungsgemäß durchzuführen", sagte Hahlen. Für Blinde und sehbehinderte Menschen werde es erstmals Schablonen geben, damit sie alleine wählen könnten. Bislang habe dieser Wählerkreis eine andere Person in die Wahlkabine mitnehmen müssen.

Mehr als 80.000 Wahllokale werden den Angaben zufolge am 22. September von 08.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet haben. "630.000 Ehrenamtliche werden dann in den Wahlvorständen arbeiten", sagte Hahlen. Eine Internet-Wahl gebe es nicht. "Aber in 29 Städten und Gemeinden, darunter Köln, Dortmund und Cottbus, werden elektronische Wahlgeräte aufgestellt." Diese rund 4.000 Euro teuren Geräte würden Stimmzettel, Wahlurne und Wahlkabine ersetzen. Gewählt werde per Knopfdruck, auch die Wahl "ungültig" sei möglich. Die Stimmauszählung per Hand entfalle, das Wahlergebnis liege per Knopfdruck in kürzester Zeit vor.

"Die Form der Wahlkostenerstattung ist ab der Wahl am 22. September erheblich verändert worden", sagte Hahlen. Das bisher geltende System habe wegen seiner Pauschalierung oft eine ungerechte Verteilung der Gelder zur Folge gehabt. Dies sei vor allem daran gelegen, dass die Kosten nicht in der tatsächlichen Höhe, sondern nach festen Beträgen erstattet wurden. Nunmehr erfolge die Erstattung durch eine Kombination aus einer genauen Abrechnung der tatsächlichen Kosten und der Festsetzung eines bundeseinheitlichen Durchschnittsbetrages je Wahlberechtigtem. 1998 habe der Bund den Ländern rund 58,4 Millionen Euro erstattet.

"Das vorläufige amtliche Wahlergebnis und die daraus folgende Sitzverteilung im 15. Deutschen Bundestag werde ich in der Wahlnacht in Berlin im Reichstagsgebäude bekannt geben", sagte Hahlen. Das endgültige amtliche Ergebnis werde vom Bundeswahlausschuss voraussichtlich am 9. Oktober festgestellt.

Für im Ausland lebende Deutsche ende die Frist für eine Aufnahme ins Wahlregister am 1. September, erinnerte Hahlen. Formulare könnten im Internet heruntergeladen oder bei den Botschaften besorgt werden. (APA/AP)

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