Namen der 2.800 Opfer werden am Ground Zero verlesen
New York - Die zahlreichen Gedenkveranstaltungen für die
Opfer der Terroranschläge auf die USA am 11. September beginnen in
New York schon Stunden vor Morgengrauen und enden erst spät in der
Nacht. Bereits um 01.00 Uhr werden Traditionskapellen der Feuerwehr
und der verschiedenen Polizeitruppen mit Dudelsackpfeifern und
Trommlern von allen fünf Stadtbezirken aus auf Ground Zero zu
marschieren. Noch vor Sonnenaufgang werden sie in der sieben
Stockwerke tiefen Grube Aufstellung nehmen, in der einst die
Fundamente der 411 Meter hohen Zwillingstürme des World Trade Centers
verankert waren.
Nach dem Rahmenprogramm, das am Freitag in detaillierter Form
vorlag, wird es neben zentralen Gedenkfeiern auf dem Gelände des
zerstörten World Trade Centers sowie später an einem vorläufigen
Denkmal im Battery Park an der Südspitze Manhattans auch parallele
Veranstaltungen in allen fünf Bezirken New Yorks geben.
Zur Entzündung einer Ewigen Flamme und zur Wiedereinweihung der am
11. September im WTC beschädigten Skulptur "Sphäre" des deutschen
Bildhauers Fritz Koenig als Mittelpunkt einer zeitweiligen Mahn- und
Gedenkstätte im Battery Park werden Staats- und Regierungschefs aus
aller Welt erwartet. Österreich wird von Außenministerin Benita
Ferrero-Waldner vertreten.
Um 21.00 Uhr Ortszeit (Donnerstag 3.00 MESZ) sollen nach den
Planungen alle Veranstaltungen in den fünf Stadtbezirken - Konzerte
mit klassischer Musik, aber auch mit Jazz, Blues und Rock,
Theateraufführungen sowie Mahnwachen bei Kerzenlicht - für die
Ansprache von Präsident George W. Bush an die Nation unterbrochen
werden. Bush, der zuvor die Schauplätze der Terroranschläge in
Washington sowie in Pennsylvania besucht, wird die Rede in New York
halten.
Die Hauptveranstaltung beginnt am Mittwochmorgen genau um 8.46 Uhr
(14.46 Uhr MESZ) am Ground Zero mit einer Schweigeminute. Zu dieser
Zeit war vor einem Jahr die erste der von Terroristen entführten
Passagiermaschinen in das World Trade Center gerast. An die
Katastrophe wird mit weiteren Schweigeminuten erinnert: 09.03 Uhr:
Aufprall der zweiten entführten Maschine, 09.59 Uhr: Zusammenbruch
des WTC-Südturms. Und schließlich um 10.28 Uhr: Zusammenbruch des
WTC-Nordturms. Eine Minute danach sollen in New York zum Abschluss
der Veranstaltung am Ground Zero alle Glocken läuten.
Aktuelle politische Reden wird es am Ground Zero nicht geben.
Keine solche Rede könne den Gefühlen der Hinterbliebenen gerecht
werden, erklärte Bürgermeister Michael Bloomberg. Allerdings wird die
berühmte "Rede von Gettysburg" verlesen, mit der Präsident Abraham
Lincoln am 19. November 1863 die Gefallenen des US-Bürgerkrieges
ehrte. Er hatte darin die Nachlebenden aufgefordert, dafür zu sorgen,
dass die Staatsform, "in der das Volk allein durch das Volk zum
Besten des Volkes herrscht, nicht von der Erde verschwindet".
Verlesen werden am Ground Zero auch die Namen der mehr als 2.800
Menschen, die im World Trade Center den Tod fanden. Mit der
Namensverlesung wird New Yorks Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani
beginnen. Sie wird dann wie in einer Staffel von Hinterbliebenen,
Feuerwehrleuten, Polizisten und anderen Rettern fortgesetzt. Die
Namen der zehn in New York getöteten Deutschen werden von der
Hamburgerin Sybille Dircks verlesen, deren Bruder Christian Wemmers
für eine US-Firma im WTC gearbeitet hatte und dort umkam. Ein elfter
Deutscher kam beim Flugzeugabsturz in Pennsylvania ums Leben.
Gedenkveranstaltungen wird es auch in so gut wie allen
Gotteshäusern der verschiedensten Religionen geben. Mit einem
"Kultur-Marathon" will die Stadt zeigen, "dass New York nach wie vor
die kulturelle Hauptstadt der Welt ist", erklärte Bürgermeister
Bloomberg. (APA/dpa)