Freier Blick auf die Milchstraße!

8. September 2002, 15:30
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Ein Fünftel der Erdbevölkerung kann sie nicht mehr sehen - "Dark Sky" tritt gegen Lichtverschmutzung an

Luzern - Ein Fünftel der Erdbevölkerung kann die Milchstraße nicht mehr sehen, weil immer mehr Licht in den Himmel strahlt. Dagegen wendet sich die internationale Vereinigung Dark-Sky. Am Wochenende tagte sie erstmals in der Schweiz, in Luzern.

Problem Außenbeleuchtungen

Außenbeleuchtungen sind ein neues Phänomen, wenn man in historischen Dimensionen denkt. Erst seit etwa hundert Jahren werden Städte beleuchtet. Doch die Zunahme an Lichtquellen ist rasant. Je stärker aber Ballungsräume erhellt werden, umso schlechter wird die Sicht in den Himmel.

Den aber sehen die Mitglieder der Vereinigung Dark-Sky als Kulturgut und Inspirationsquelle der Menschheit. Sie kämpfen dafür, dass Lichtverschmutzung auch als Umweltverschmutzung wahrgenommen und mit gesetzlichen Mitteln minimiert wird.

Die IDA

Gegründet wurde die International Dark-Sky Association (IDA) 1988. Sie hat heute gegen 10.000 Mitgliedern in 70 Ländern. Angesprochen von den Dark-Sky-Zielen sind vor allem Astronomen, Ornithologen, aber auch Architekten, Lichttechniker, Biologen.

Zum zweiten europäischen Dark-Sky-Symposium reiste auch IDA-Mitbegründer und Direktor David L. Crawford aus Arizona (USA) an. Er setzt sich seit 40 Jahre dafür ein, dass die Nacht Nacht bleiben darf. Der Schutz des Nachthimmels sei eine große Aufgabe, sagte er. Es gebe zwar gewisse Erfolge, aber es bleibe viel zu tun.

Gestörter Rhythmus?

Dabei geht es um weit mehr als um eigennützige Interessen von Himmels- oder Vogelzugs-Beobachtern, die freie Sicht auf die Milchstraße beanspruchen. Pflanzen, Tieren, Menschen gemeinsam ist, dass ihre Lebensrhythmen - insbesondere der Schlaf - gestört werden, wenn die Nacht zum Tag wird.

Crawford zitierte eine Studie, in der auch Krebs-Erkrankungen in Zusammenhang mit der Beleuchtung der Welt gebracht wird. Nicht zuletzt geht es um Energie-Verschwendung. "Wir sind aber nicht grundsätzlich gegen Licht", betont Crawford, "sondern nur gegen schlechtes Licht." Deshalb sollen Lichtquellen nach oben abgedeckt werden, damit sie den Boden und nicht den Himmel erhellen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Blick auf den Carina-Arm der Milchstraße

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