Reichhold mobilisiert in Tirol

7. September 2002, 15:02
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FP-Minister wirbt für Riess-Passer-Kurs und will nicht, "dass Regierungs-Mitgliedern das Rückgrat gebrochen wird"

Innsbruck - Vor dem mit Spannung erwarteten FPÖ-Treffen in Knittelfeld ist Verkehrsminister Mathias Reichhold (F) Samstagmittag in Innsbruck mit dem Tiroler FP-Chef, LAbg. Willi Tilg, und den freiheitlichen Delegierten des Landes zusammengetroffen. Reichhold appellierte an die Tiroler FP, die Regierungslinie auch weiterhin zu unterstützen, hieß es aus der Partei. Es gehe nicht, "dass den Regierungsmitgliedern das Rückgrat gebrochen werde und sie dann mit Gipskorsett erfolgreich sind", sagte Reichhold.

Von den insgesamt 66 Tiroler FP-Delegierten hatten 16 für einen Sonderparteitag unterschrieben. Inzwischen hätten sechs ihre Unterschrift wieder zurückgezogen bzw. seien drei gar nicht zur Unterschrift berechtigt gewesen. Zu dem Treffen im Innsbrucker Hotel Hilton waren etwa 45 Delegierte erschienen. Von den noch übrig gebliebenen sieben Sonderparteitags-Befürwortern sei nur Bundesrat Willi Grissemann gekommen. Er habe allerdings nicht davon überzeugt werden können, seine Unterschrift zurück zu nehmen und wolle am Treffen in Knittelfeld teilnehmen.

Reichhold informierte die anwesenden Delegierten gemeinsam mit Obmann Tilg über die Hintergründe der aktuellen FP-Krise. Sämtliche Delegierte waren sich einig, dass über die anstehenden Themen nur in den entsprechenden Gremien diskutiert werden solle. Mit einem Sonderparteitag ohne vorherige Abstimmung der Parteilinie sei "bloß den politischen Konkurrenten gedient" und "daher kein geeignetes Instrument für eine sachliche Diskussion", betonte Tilg.

Tilg hatte bereits wiederholt erklärt, dass die Tiroler FPÖ unter seiner Führung auch weiterhin Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer unterstütze. Die Delegierten richteten bei der Besprechung einen Appell an die heute in der Steiermark stattfindende FP-Versammlung. Die freiheitliche Regierungsmannschaft bedürfe wieder der "vollen Rückendeckung". "Daher muss es heute in Knittelfeld eine Rückkehr zur Vernunft geben", sagte Tilg. Sowohl für Reichhold wie auch für Tilg müssten die Unterschriften zurückgezogen werden, um dann parallel über die Inhalte sprechen zu können.

Sollte es dennoch zu einem Sonderparteitag kommen, dann könnte dieser in Innsbruck über die Bühne gehen. Denn wenn der Parteitag abgehalten wird, soll er am 13. Oktober in Innsbruck stattfinden, erklärte ein Parteisprecher nach dem Treffen in Innsbruck.

In Innsbruck hatte bereits der legendäre FPÖ-Bundesparteitag im September 1986 stattgefunden, bei dem der damalige Vizekanzler Norbert Steger in einer Kampfabstimmung Jörg Haider unterlegen war. Das bedeutete damals das Ende der Rot-Blauen Koalition, Bundeskanzler Franz Vranitzky (S) kündigte die Koalition auf und veranlasste vorgezogene Nationalratswahlen. (APA)

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    Reichhold: Mehr Rückgrat, weniger Gips.

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