ÖGB droht mit Streiks im Herbst

7. September 2002, 14:26
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Metaller-Chef Nürnberger warnt vor "schwierigen Lohnverhandlungen"

Wien - Der Vorsitzende der Metallergewerkschaft und FSG-Vorsitzende Rudolf Nürnberger droht mit Streiks im Herbst. Als mögliche Bereiche nannte er am Samstag in der Radio-Reihe "Im Journal zu Gast", die Post, die ÖBB, die ÖIAG und die Beamten. Die Gewerkschaft müsse mit dem "letzten Instrumentarium" der Kampfmaßnahmen "sehr vorsichtig" umgehen, sie sei aber in letzter Konsequenz dazu bereit, sagte der ÖGB-Vizepräsident.

Sollte es bei den Eisenbahnern im Herbst zu Kampfmaßnahmen kommen, dann hätten sie die gesamte Solidarität der Gewerkschaftsbewegung, versicherte Nürnberger. Auch wenn es im Bereich der ÖIAG zu "Verschleuderungen" kommen sollte, wären Aktionen der Beschäftigten in den betroffenen Betrieben möglich. Und schließlich gebe es auch von den Beamten schon entsprechende Ankündigungen, wenn die Regierung ihr Versprechen einer Inflationsabgeltung nicht einhalten sollte. "Die Gewerkschaft wünscht sich das nicht" und werde es nicht provozieren, aber wenn sich die Regierung nicht an ihre Versprechen halte, werde es dazu kommen.

Nürnberger erwartet für den Herbst "sehr schwierige Lohnverhandlungen". Die Gewerkschaft wolle "mit sehr viel Augenmaß" einerseits den Lebensstandard sichern und andererseits auf die wirtschaftliche Situation Rücksicht nehmen. Die erste Verhandlungsrunde der Metaller zum Auftakt der Herbstlohnrunde ist für den 27. September angesetzt.

Zur Fusion seiner Metaller mit den Privatangestellten und drei anderen Gewerkschaften zeigte sich Nürnberger optimistisch, dass der Zeitplan halten werde. Der Vereinigungskongress soll 2004/2005 stattfinden. Man sei "auf einem sehr guten Weg". Für den nächsten ÖGB-Bundeskongress 2003 ist Nürnberger sicher, dass Präsident Fritz Verzetnitsch wiedergewählt wird. Auch wenn es in Zukunft drei Gewerkschaftsblöcke geben werde, sei ein starker ÖGB-Präsident "unabdingbar". Man brauche auch in Zukunft den ÖGB für die Personal- und Finanzhoheit und um die Linie der Politik vorzugeben.

Angesichts der Konflikte in der FPÖ sagte Nürnberger, es wäre "höchst an der Zeit", dass die Streitereien eingestellt werden. Es wäre angebracht, dass die Koalition im Interesse der Menschen arbeitet und etwa Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit setzt. Dass er nach den letzten Wahlen den schon ausverhandelten Pakt zwischen SPÖ und ÖVP nicht unterschrieben hat und damit eine Fortsetzung dieser Koalition verhindert hat, sieht Nürnberger im Nachhinein nicht als Fehler.

Für die SPÖ und deren Vorsitzenden Alfred Gusenbauer hat der FSG-Vorsitzende lobende Worte parat. Er könne "kein gestörtes Verhältnis" oder Probleme feststellen. Unterschiedliche Meinungen könne es aber immer geben. (APA)

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