Independent": Taliban warnten USA vor Anschlag

7. September 2002, 13:39
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Untätigkeit der Regierung erneut in der Kritik

London/Kabul - Die Taliban haben die USA nach einem Bericht des "Independent" vor dem 11. September vor einem schweren Terrorangriff durch Osama bin Laden gewarnt. Die USA hätten dies aber nicht beachtet, berichtete die britische Zeitung am Samstag. Die Warnung wurde demnach von einem Gesandten des Taliban-Außenministers Wakil Ahmed Muttawakil überbracht. Dieser habe damals bereits befürchtet, dass ein Terroranschlag im Auftrag Bin Ladens zu einer Invasion Afghanistans durch US-Streitkräfte und zum Ende der Taliban-Regierung führen werde.

Der "Independent" beruft sich in seinem Bericht auf den Gesandten selbst. Dieser lebe heute in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Sein Name müsse aus Sicherheitsgründen geheim gehalten werden. Außenminister Muttawakil hatte demnach im Juli vergangenen Jahres erfahren, dass Bin Ladens Terror-Organisation El Kaida einen "großen Anschlag" in den USA mit Tausenden von Opfern vorbereite. Daraufhin habe er den Gesandten in die pakistanische Stadt Grenzstadt Peschawar geschickt, wo dieser den US-Generalkonsul David Katz über den bevorstehenden Angriff informiert habe. Die Warnung sei aber nie nach Washington durchgedrungen.

Anschließend habe der Gesandte auch noch UNO-Vertreter in Kabul unterrichtet, sei aber auch dort nicht ernst genommen worden. Der "Independent" zitiert einen anonymen US-Diplomaten mit den Worten: "Wir haben damals eine Menge solcher Sachen gehört. Wenn die Leute immer wieder sagen 'Der Himmel wird uns auf den Kopf fallen' und nichts passiert, dann setzt eine gewisse Warn-Müdigkeit ein."

Zwei Tage nach dem fehlgeschlagenen Attentatsversuch auf den afghanischen Regierungschef Hamid Karsai hat dieser an einer Feierstunde zu Ehren des ermordeten Nationalhelden Achmed Shah Massud teilgenommen. Massud habe sein Leben Afghanistan geopfert, sagte Karsai am Samstag in Kabul. Sein Name werde dafür mit "goldenen Lettern in der Geschichte Afghanistans geschrieben". Der Taliban-Gegner und Führer der Nordallianz Massud war am 9. September 2001 bei einem Anschlag des mutmaßlichen Terroristen-Netzwerks El Kaida ums Leben gekommen. Die Täter hatten sich unter dem Vorwand Zugang zu ihm verschafft, ein Interview führen zu wollen. Die Bombe war in ihrer Videokamera versteckt. Neun der mutmaßlichen Helfer der Attentäter sollen im Dezember in Belgien vor Gericht gestellt werden. (APA/dpa)

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