Kriegsängste treiben Ölpreis auf Jahreshoch

7. September 2002, 11:16
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Händler: Militärschlag könnte globale Ölversorgung gefährden

London - Der Ölpreis ist am Freitag angesichts wachsender Ängste vor einem US-Angriff gegen den Irak zeitweise auf den höchsten Stand seit einem Jahr geklettert. Allerdings sank der Preis im Handelsverlauf wieder etwas, nachdem die US-Behörde Energy Information Administration (EIA) ihre Prognosen der weltweiten Ölnachfrage für das zweite Halbjahr 2002 reduziert hatte.

An der Londoner Warenterminbörse verteuerte sich ein Barrel (knapp 159 Liter) der führenden Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober bis zum Abend um 63 Cent auf 28,27 Dollar. Zuvor war der Preis sogar bis knapp unter 29 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit September vergangenen Jahres gestiegen. In New York kletterte der führende Öl-Kontrakt zeitweise über 30 Dollar je Barrel.

"Die Kriegstrommeln treiben den Preis höher, die Lage am Weltmarkt hat sich schon im zweiten Quartal angespannt und das wird bis in den Winter weiter gehen", sagte Leo Drollas vom Zentrum für Globale Energie Studien in London. Er sagte voraus, dass der Ölpreis Ende des Jahres auch dann bei rund 30 Dollar pro Barrel liegen werde, wenn es keinen Angriff gegen den Irak geben sollte. Ein Militärschlag gegen den Irak könnte nach Ansicht von Händlern zumindest zeitweise den gesamten Nahen Osten destabilisieren und damit die globale Ölversorgung gefährden. Die Staaten dieser Region kontrollieren zwei Drittel der weltweiten Ölreserven. Auch im Irak, der zurzeit nur gegen Lebensmittel eine festgelegte Menge exportieren darf, lagern große Ölvorräte.

Händler sagten, es gebe Befürchtungen, US-Präsident George W. Bush könne in der kommenden Woche dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein vor die Wahl stellen entweder das Land für uneingeschränkte Waffeninspektionen zu öffnen oder Krieg zu riskieren. Am Wochenende will sich Bush mit Großbritanniens Premierminister Tony Blair treffen. Britische Medien sprachen von einem Kriegsgipfel.

US-Präsidialamtssprecher Ari Fleischer kündigte an, Bush wolle seine Entscheidung über einen Militärschlag gegen den Irak unabhängig von etwaigen Auswirkungen auf den Ölpreis oder die US-Wirtschaft treffen. Der Präsident sehe einen Irak-Angriff nicht als eine Frage des Öls oder etwas dieser Art, sagte Fleischer. Bereits in den vergangenen Wochen hatte der Ölpreis angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen den USA und dem Irak kräftig angezogen.

Für leichte Entspannung am Ölmarkt sorgten am Freitagabend die neuesten EIA-Prognosen zur Entwicklung der Öl-Nachfrage. Die Behörde senkte ihre Erwartungen für die weltweite Nachfrage im dritten und vierten Quartal um insgesamt 200.000 Barrel pro Tag auf insgesamt 153,6 Millionen Barrel pro Tag. Die Prognose-Rücknahmen könnten eine Rolle spielen beim Treffen der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) am 19. September. Das Kartell, das zwei Drittel der Weltölexporte kontrolliert, entscheidet dann über seine Förderpolitik im vierten Quartal. Ob die OPEC ihre Fördermengen anhebt, will sie von der erwarteten Öl-Nachfrage abhängig machen. (APA/Reuters)

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