Burleske Groteske in Zürich

7. September 2002, 11:53
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Gekündigter Intendant des Schauspielhauses erhält Gnadenfrist und muss 3,5 Millionen Franken auftreiben

Zürich - Der gekündigte Intendant des Schauspielhauses Zürich, Christoph Marthaler, erhält eine Gnadenfrist. Voraussetzung ist allerdings das Aufbringen von 3,5 Millionen Franken (2,40 Mill. Euro), wie Stadtpräsident Ledergerber nach einer Verwaltungsratssitzung am Freitag sagte.

Der Verwaltungsrat des Schauspielhauses Zürich hält aber grundsätzlich an der Auflösung des Vertrags mit Marthaler fest. Auf Grund der Zahlen und Fakten sei die Trennung am Ende der Spielzeit 2002/03 gerechtfertigt, sagte Ledergerber. Bei der Kommunikation dieses Schrittes räumte er Fehler ein.

Nach intensiver Diskussion sei der Verwaltungsrat zu einer "Hoffnungsvariante" bereit, so Ledergerber. Er habe eine Frist bis Ende September gesetzt, um die für nächste Spielzeit fehlenden 3,5 Millionen Franken bei Privaten zu finden. Bisher war der Verwaltungsrat von 4,5 bis 5 Millionen Franken an fehlenden Geldern ausgegangen.

Komme das Geld zusammen, könnte eine weitere Saison Marthalers angehängt werden. Laut dem Stadtpräsidenten sind nun jene gefragt, die wollen, dass Marthaler bleibt.

Zu den Finanzen müsse auch eine Vereinbarung mit Marthaler getroffen werden, die als wesentliche Punkte dessen größere Präsenz in Zürich und mehr Kooperationsbereitschaft mit dem Verwaltungsrat umfasse. Auch müsse der Intendant sein "Finanzgebaren" ändern und im deutschen Sprachraum übliche Gagen bezahlen, sagte Ledergerber vor den Medien.

Das Unterstützungs-Komitee "Damit Marthaler bleibt" um den Publizisten Roger de Weck begrüßt die vorgeschlagene "Hoffnungsvariante".Der Verwaltungsrat solle nun aber das Gespräch suchen. Dabei wäre es zweckmäßig, wenn der Verwaltungsrat nicht nur mit Marthaler, sondern auch mit privaten Geldgebern sprechen würde, schreibt das Komitee in einem Kommunique vom Samstag. Voraussetzung für eine gute Lösung sei die Kommunikationsbereitschaft aller Beteiligten. Ultimaten oder Übergangslösungen würden dem Schauspielhaus dagegen nicht dienen. (APA/sda)

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    Christoph Marthaler inszeniert die "Hoffnungs-Variante".

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