Neue Pläne für den verplanten Karlsplatz

6. September 2002, 21:40
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Christian Jabornegg und András Pálffy entwickelten umfassendes Konzept - Riesige Hohlräume rund um Künstlerhaus sollen für Ausstellungen asaptiert werden - mit Grafik

Wien - Der Karlsplatz könnte das Gegenstück zum Museumsquartier des Bundes sein. Schließlich liegen rund um ihn unzählige Kulturinstitutionen - vom Musikverein bis zur Secession. Doch die Verkehrsplaner hatten den Platz in den 60er-Jahren in einen "Unort" verwandelt: Das Überqueren der Straßen ist für Fußgänger mitunter lebensgefährlich. Oder unmöglich.

Bereits vor vier Jahren nahm sich das Künstlerhaus des Problems an: Der Verein lobte einen Gestaltungswettbewerb zum "Kunstplatz Karlsplatz" aus, den das Architektenteam Christian Jabornegg und András Pálffy gewann. Doch trotz bekundetem Interesse - die damalige Finanzstadträtin Brigitte Ederer versprach 4,36 Millionen Euro für ein Teilprojekt - passierte nichts: Das Projekt schien gestorben.

Nun aber wird es wieder diskutiert. Denn Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny will das abgeschirmt gelegene Historische Museum ins Bewusstsein zurückrufen bzw. mittels Leitsystems leichter erreichbar machen. Und andererseits die Zukunft des Künstlerhauses sichern, das, weil es vom Bund nicht mehr unterstützt wird, finanziell in ärgste Bedrängnis geriet: Wie es aussieht, muss die Ausstellungstätigkeit im Sommer 2003 eingestellt werden.

Hohlräume für Ausstellungen

Aber das Künstlerhaus verfügt noch über ein Atout: Weil die Verkehrsbetriebe eine neue Wendeanlage für die U2 errichteten, entstanden Hohlräume mit einer Höhe von 7,50 Meter, die sich exzellent für Ausstellungen eignen würden. Zum Beispiel des Historischen Museums, das aus den Nähten platzt: Direktor Günter Düriegl erstellte bereits ein schlüssiges Konzept.

"Der halberte Rohbau steht ja schon. Das nicht zu nutzen wäre außerordentlich schade", meint der Architekt Manfred Nehrer, Präsident des Künstlerhauses. Mailath ist von den Entwürfen - die Realisierung samt Sanierung des Künstlerhauses kommt auf 17 Millionen Euro - angetan. Und will um eine Sonderfinanzierung kämpfen. Seiner Meinung nach lägen die Chancen für diese über 50 Prozent.

Jabornegg/Pálffy haben aber auch Lösungen für den Vorplatz anzubieten: Die Schleife der Straßenbahnlinie J, die den Platz zwischen Handelsakademie und Künstlerhaus zerstört, möge verlegt werden. Und statt der Rampe zur U4 schlagen sie eine Neugestaltung mit einem Glaskubus vor.

Gesamtkonzept

Zudem entwickelten sie ein Gesamtkonzept für den Karlsplatz, der ja richtiggehend durchschnitten wird: Von der Wiedner Hauptstraße, die sich von einer Spur auf deren sechs (!) verbreitet. Das Architektenteam plädiert dafür, den Verkehrsfluss umzuleiten. Technisch machbar wäre dies, sagt auch der Verkehrsplaner Werner Rosinak. Er stellt sich aber die Frage, ob der Mitteleinsatz nicht ein zu großer wäre. Pálffy hingegen verweist auf die Rückgewinnung des Platzes: Der projcet space der Kunsthalle wäre nicht mehr isoliert.

Zumindest für eine strategisch heikle Stelle bemüht man sich um eine neue Lösung: Derzeit laufen Simulationsversuche, wie man die Kreuzung beim Café Museum besser in den Griff bekommen kann - z. B. durch einen Kreisverkehr. Im November soll das Ergebnis vorliegen. (Thomas Trenkler/DER STANDARD, Printausgabe, 7.9.2002)

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