"Selbst ein Pornofilm hat eine Handlung"

6. September 2002, 20:36
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Die FPÖ gibt gerade jetzt viel Stoff für ein Programm her, findet der Kabarettist Florian Scheuba im Interview mit Peter Mayr

STANDARD:Gibt die FPÖ derzeit genug Stoff für ein neues Kabarettprogramm her?

Scheuba:Ja. Das ist schon eine besondere Situation. Die FPÖ ist selbst zu einem theatralischen Akt geworden.

STANDARD: Ist die Realität nicht schon genug Kabarett?

Scheuba: Der Sinn vom Kabarett ist auch der, Aspekte he rauszuarbeiten und durch Überbetonung die Aufmerksamkeit des Betrachters darauf zu lenken.

STANDARD: Was wäre einer?

Scheuba: Beispielsweise wenn man sich anschaut, wie die FPÖ funktioniert. Und wie Kommentatoren versuchen, mit Gesetzmäßigkeiten, die bei einer normalen Partei herrschen, das Geschehnis zu erklären. Sie scheitern daran, weil die FPÖ in ihrer Struktur nicht wie eine Partei, sondern wie ein Fanklub funktioniert.

STANDARD:Welche Rolle gefällt Ihnen derzeit am besten?

Scheuba: Die Rolle des Peter Westenthaler ist hervorra gend. Vor ein paar Tagen hat er erklärt, dass die Forderung Steuerreform statt Abfangjäger billiger Populismus sei. Das aus Westenthalers Mund ist große Klasse. Ich hätte nie gewagt, ihm das in den Mund zu legen. Interessant ist außerdem, dass es immer hieß, die FPÖ sei nur Haider. Aber selbst ein Pornofilm hat eine Handlung. Die Frage ist: Wollen die Leute eine Handlung, oder geht es lediglich darum, Höhepunkte aneinander zu schnipseln?

STANDARD: Sie spielen in Ihrem Programm Jörg Haider. Müss ten Sie diese Rolle adaptieren?

Scheuba: Man müsste es wahrscheinlich ein bisschen räudiger anlegen - etwas an geschlagener. Wenn Haiders frühere Faschingsverkleidung der Robin Hood, ein drahtiger Held in Strumpfhose, war, so geht er jetzt als Elton John.

STANDARD: Wie könnte ein Kabarettschluss bei den derzeitigen Geschehnissen aussehen?

Scheuba: Da würde ich noch abwarten. Scheitert Haider, dann zieht er sich mit Saif Gaddafi in ein libysches Wüstenzelt zurück und stellt Rudolfo-Valentino-Filme nach. Setzt er sich durch und schafft er sein Ziel, Kanzler zu wer den, so wird ihm nach zehn Tagen so fad, dass er das Amt hinschmeißt und er die KPÖ übernimmt. (DER STANDARD, Printausgabe vom 7./8.9.2002)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Florian Scheuba und Thomas Maurer in ihrem Bühnenprogramm "Zwei echte Österreicher" (2001)

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