Der Faszination Börse erlegen

11. September 2002, 12:49
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Christian Baha hängte seinen Job als Polizist an den Nagel und wagte den Sprung ins Unternehmertum. Heute ist er CEO von Quadriga, einem der international erfolgreichsten Hedgefonds

Zwischen einem Wiener Polizeirevier und einem Domizil in Monte Carlo liegen Welten. Sollte man meinen. Für Christian Baha (33), Chief Executive von Quadriga, dem international zur Zeit erfolgreichsten Hedgefonds, lag das kleine Mammon-Refugium an der Côte d'Azur gleich hinter Favoriten.

"Anfang der 90er-Jahre war der Polizeijob eine sichere Möglichkeit, Geld zu verdienen. Ich habe damals meinen gesamten Verdienst in den Aufbau des Unternehmens gesteckt." Der Faszination Börse war Baha bereits im zarten Alter von 14 erlegen. "Ich hab' mit meinen ersten Börsen-Geschäften sehr rasch sehr viel Geld verdient - allerdings auch sehr rasch wieder verloren. Das war die wichtigste Erfahrung in meinem Leben. Mir wurde klar, dass ausschließlich professionelles Risikomanagement über Erfolg und Misserfolg an der Börse entscheidet."

Baha und sein Partner Christian Halper entwickelten daraufhin das erste Softwareprogramm (TeleChart) für Privatanleger, das Teletext-Börse-Daten automatisch liest und dann in einem Charttechnik-Programm verarbeitet.

In der Zeit bis zum Durchbruch - "ich wusste, ich hatte eine gute Idee und ein gutes Programm, aber es gab auch Situationen des Zweifels" - war Jack Schwagers Buch "Market Wizards" sein ständiger Begleiter - und Erfolgsstorys wie die von George Soros und Mike Bloomberg.

1994 war es dann so weit: Christian Baha gab seine Dienstwaffe zurück und wagte den Sprung ins Unternehmertum. Dabei ging Quadriga für die Hedgefonds-Branche unübliche Wege: Während es allgemein Usus in der Future-Branche ist, Kleinanleger außen vor zu halten - Investitionen ab einer Million Euro sind nicht selten Eingangskriterium, um in den erlauchten Kreis derer aufgenommen zu werden, die ihr Vermögen von Hedgefonds mehren lassen, wie etwa die Rockefellers oder die Quandts -, bietet Quadriga einem breiten Anlegerpublikum bereits ab 2000 Euro diese Möglichkeit der Vermögensmehrung.

Mit ein Grund für die graue Eminenz der Börsenberichterstattung, den Platow Brief, Quadriga spekulativ orientierten Investoren als Alternative anzupreisen. Bahas Unternehmen verwaltet zurzeit ein Investitionskapital von 300 Mio. Dollar (302,24 Mio. Euro) mit einer erwarteten Steigerung auf 500 Mio. Dollar (503,73 Mio. Euro) bis Jahresende.

Die Handelszentrale der Quadriga-Investmentgruppe befindet sich auf Grenada. Dort läuft das vollautomatische Quadriga-Handelssystem und dort erfolgt auch die Wartung. Die 75 Mitarbeiter verteilen sich auf die Standorte Wien, Frankfurt, Zürich, New York und seit neuestem Hongkong. In Chikago schließlich betreibt Quadriga eine eigene Brokerage mit zehn Mitarbeitern.

STANDARD: Aktionäre unter anderem mit Shares von AOL, Yahoo und Pixelpark haben in den letzten 20 Monaten Verluste bis zu 98 Prozent hinnehmen müssen. Hedgefonds haben im gleichen Zeitraum im Durchschnitt 31 Prozent Rendite ausgezahlt. Sind Hedgefonds die Antwort auf einen verunsicherten Anlegermarkt?

Baha: Die Antwort darauf ist ein klares Ja! Anders als Investmentfondsmanager, die immer nur die Benchmark schlagen wollen, wollen Hedgefondsmanager nur eines: "Absolute Return" - also Gewinne machen und das bei jeder Börsenlage und marktunabhängig. Hedgefonds sind die beste Versicherung für fallende Kurse. Wenn Sie einem internationalen Aktienportfolio einen Hedgefonds beimischen, haben Sie nach fünf Jahren folgenden Effekt: Das Risiko ihres Gesamtportfolios hat sich in diesem Zeitraum halbiert, während sich die Gesamtperformance fast verdoppelt hat. Vor allem in Zeiten wie diesen ist ein Hedge-Fonds-Airbag unverzichtbar.

STANDARD: 12.000 Milliarden Dollar (12.086 Milliarden Euro) stecken im globalen Aktienmarkt - die ca. 6000 Hedgefonds weltweit kommen gesamt auf ein Volumen von 600 Milliarden Dollar (604,29 Milliarden Euro). Wird sich das Verhältnis zugunsten der Hedgefonds merklich verschieben?

Baha: Ich bin davon überzeugt, dass den Hedgefonds die Zukunft gehört. Derzeit stehen die Zeichen an den internationalen Aktienmärkten auf eine lang anhaltende Baisse-Phase. Das heißt, für Aktienfondsmanager wird es in den kommenden Jahren extrem schwer werden, gute Ergebnisse zu erzielen. Aber kein Investor will sein Geld verlustbringend anlegen. Also wird er nach Alternativen suchen. Und Hedge-Fonds sind die beste Alternative, denn sie können sowohl bei fallenden als auch bei steigenden Kursen Gewinne erzielen.

Mein Rat für jeden, der sein Geld langfristig anlegen will: mindestens 50 Prozent Hedgefonds und den Rest in Anleihen erster Bonität investieren. Je nach Risikofreudigkeit, kann der Anleihenanteil erhöht werden, aber das geht natürlich auch zulasten der Rendite. Wie das Beispiel des Quadriga-Genussscheins zeigt, ist das Risiko eines Hedgefonds deutlich geringer als das von Dax oder S&P 500 oder überhaupt jeder beliebigen Einzelaktie. Optimal wäre natürlich auch ein gut diversifiziertes Hedgefonds-Portfolio. (Hannelore Gude-Hohensinner/DER STANDARD, Printausgabe, 07./08. 09. 2002)

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    foto: standard/cremer
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