"SMSen" im Unterricht streng verboten

6. September 2002, 19:56
posten

Schulen regeln Handynutzung über Hausordnungen - Eltern und Lehrer in Wahnsinn getrieben

Wien - Die Handymanie treibt nach den Eltern auch die Lehrer in den Wahnsinn. Mobiltelefone, Pager und PDAs finden zunehmend ihren Weg in die Schulen und Klassenzimmer. Selbst während des Unterrichts scheinen die Jugendlichen kaum auf SMS und Telefongespräche verzichten zu können.

"Obwohl wir das Handy im Unterricht eigentlich ausschalten müssen, kommt es immer wieder vor, dass es irgendwo klingelt", sagt Jörg Bachl, Maturant aus St. Pölten. In seiner Klasse besitze jeder Schüler ein Mobiltelefon und bringe es auch in die Schule mit. Besonders populär ist unter den Jugendlichen neben dem Telefonieren das Verschicken von SMS, während Chat und Internetzugang über das Mobiltelefon bislang noch keine Rolle spielen.

Prüfungshilfe

Zwar bieten findige Firmen im Internet schon Prüfungshilfe per SMS an, dass jemand elektronisch schummelt, glaubt der Schüler aber nicht, auch wenn er "gerüchteweise" davon gehört hat. Wer sich Vokabel oder Matheformeln per SMS schicken lässt, muss mit den gleichen Strafen rechnen, wie wenn er mit einem normalen Schummelzettel erwischt wird.

"Die Prüfung kann dann nicht bewertet werden", erklärt Werner Jisa vom Unterrichtsministerium. Ein generelles Handyverbot gibt es an Österreichs Schulen dennoch nicht. "Das muss in der Hausordnung der einzelnen Schule geregelt werden." Aber dass die Mobiltelefone im Unterricht ausgeschaltet werden müssen, ergebe sich aus der Natur der Sache.

Eltern untstützen

In Österreich unterstützen die Eltern diese Regelung, berichtet Angela Mottl, Lehrerin an einer Hauptschule in Niederösterreich. Dagegen legen in Deutschland und den USA viele Eltern seit den Anschlägen des 11. Septembers und dem Massaker an einer Schule in Erfurt Wert darauf, dass sie ihre Kinder auch während der Schulstunden erreichen können, gerade wenn sie noch jünger sind.

"Die Situation bei den Schülern bis vierzehn Jahren ist aber weniger extrem als bei den Älteren", stellt Hauptschullehrerin Mottl fest: "Zwei Drittel von ihnen haben ein Mobiltelefon, es kommt aber äußerst selten vor, dass eines davon den Unterricht stört."

Eine andere ernst zu nehmende Auswirkung der Handymanie unter Jugendlichen sind die hohen Kosten, die sich für die Vieltelefonierer ergeben. Da in Österreich nur Volljährige Verträge abschließen dürfen, überwiegen bei den jüngeren Schülern Handys mit Prepaid-Karten. Bei den Achtzehnjährigen hat laut Jörg Bachl allerdings fast niemand mehr ein Wertkartenhandy.

Das erklärt auch die Tatsache, dass Schulden, die in dieser Altersgruppe gemacht werden, fast immer in Verbindung mit der Mobiltelefonrechnung stehen. Es sei durchaus nicht selten, dass Lehrlinge mehr als die Hälfte ihrer Lehrlingsentschädigung für ihr Handy ausgeben, sagen Verbraucherschützer. (Claudia Brey Paul-Anton Krüger/DER STANDARD, Printausgabe, 7.9.2002)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.