Gaslösung: Entflechtung ist kein Dogma mehr

6. September 2002, 19:28
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Großkundenallianz muss Wettbewerb weiter gewährleisten

Wien - Nach der Sommerpause laufen die Verhandlungen über die Ausgestaltung der österreichischen Gaslösung wieder mit Hochdruck. Die Zeit drängt: Am 1. Oktober wird der Gasmarkt voll geöffnet, bis dahin müssen die Details der Gaslösung feststehen und von der Bundeskartellbehörde abgesegnet werden. Fix ist, dass es Auflagen geben wird, welche konkret, müssen Aufsichtsbehörden und Unternehmen aber noch auspokern.

Wie berichtet, legen OMV, EVN Wiengas, Begas, Oberösterreichische Ferngas und Linz AG ihren Großkundenvertrieb zusammen. An der Econgas hält die OMV 50 Prozent, die andere Hälfte teilen sich die Landesgasversorger.

Laut Insidern sind Pläne der Aufsichtsbehörden zu eigentumsrechtlichen Entflechtungen fast schon vom Tisch. Es muss nur sichergestellt sein, dass die Econgas-Partner Unternehmen, an denen sie beteiligt sind, nicht vom Wettbewerb aussperren können. Das betrifft die EVN, die 30 Prozent an der Gasförderfirma RAG hält, sowie die Energie AG Oberösterreich, die 26 Prozent an der Salzburg AG hält. Keine Probleme würde es dagegen bei der Oberösterreichischen Ferngas (OMV plus Energie AG Oberösterreich) geben.

Stimmrechtsbeschränkung

Statt einer Entflechtung könnte eine Stimmrechtsbeschränkung oder der Nachweis genügen, dass man keinen vertraglichen Einfluss auf die Beteiligungstochter habe. Das soll auch für den Econgas-Vorstand gelten. Schließlich verkauft die OMV ihr Gas auch an drei Großkunden, sprich an die Gasgesellschaften jener Länder, die nicht in der Allianz mitmachen, nämlich Steiermark, Kärnten und Salzburg.
Daneben wird derzeit mit heißem Bemühen über die Ausgestaltung von zwei weiteren Auflagen verhandelt: Unternehmen, die nicht bei der Gaslösung mitmachen, sollen einen Teil der Bezugsmengen aus den langfristigen Lieferverträgen abgeben können. Zweitens muss die Econgas einen Teil ihrer Gasmengen (im Gespräch sind zwischen zehn und 20 Prozent) über Versteigerungen den neuen Anbietern zukommen lassen.

Weiters müssen die Partner der Gaslösung garantieren, dass es keine Diskriminierungen beim Zugang zu den Gasspeichern gibt. Gas lagern können in Österreich nur OMV und RAG. (Clemens Rosenkranz/DER STANDARD, Printausgabe, 7.9.2002)

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