Khol im STANDARD-Interview: "Läuterungsprozess der Freiheitlichen"

6. September 2002, 17:39
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Die ÖVP dürfe die FPÖ nicht kritisieren, habe sie doch schon selbst ähnliche Entwicklungen durchgemacht, sagt der VP-Klubchef

STANDARD: Könnte die ÖVP mit Herbert Scheibner als Vizekanzler weiterarbeiten? Khol: Dazu will ich mich nicht äußern, wir warten ab.

STANDARD: Das heißt, Sie erwarten eine Regierungsumbildung? Khol: Das heißt weder noch. Wir haben es immer noch "derwartet", was unser Koalitionspartner für Wünsche an uns heranträgt. Die werden wir dann beraten und unsere Konsequenzen ziehen.

STANDARD: Unterstützen Sie die Riess-Passer-Fraktion oder die anderen? Khol: Mich würde der Teufel holen, wenn ich mich als ÖVP auf die Seite irgendeiner Fraktion schlage.

STANDARD: Wie sieht man als Koalitionspartner den Krach? Khol: Ich sehe das als einen Prozess, in dem die Freiheitlichen Klarheit über ihre Vorgangsweise im letzten Jahr dieser Legislaturperiode schaffen. Dieser Läuterungs- und Nachdenkprozess wird ein Ergebnis haben.

STANDARD: Ein ziemlich lauter Läuterungsprozess! Khol: Ja, mein Gott - wissen Sie, ich komme von der Volkspartei, die ähnliche Entwicklungen hatte. Wenn ich mich erinnere, was einige Landesorganisationen hin und wieder gegen ÖVP-Obleute aufgeführt haben! Wir sind die letzten, die sich da kritisch äußern können. Das ist halt in einer Demokratie so.

STANDARD: Die FPÖ gibt aber jenen Recht, die immer schon gesagt haben, dass diese Partei nicht regierungsfähig ist. Khol: Ich habe Misstrauen gegenüber Leuten, die immer schon alles gewusst haben.

STANDARD: Schadet der Krach auch der ÖVP? Khol: Natürlich wollen die Menschen, dass die Parteien nicht ihre eigenen Befindlichkeiten vor sich hertragen. Aber Parteiendemokratien - das sind Menschen, Interessen, Kränkungen, alte Rechnungen, neue Wunden. Das gehört dazu. Die Regierung arbeitet klaglos weiter. Die Minister arbeiten . . .

STANDARD: . . . solange es sie noch gibt. Khol: Das kann jedem von uns passieren. Gerade jetzt ist beispielsweise ein lieber Freund von mir gestorben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.9.2002)

Das Gespräch führte Martina Salomon
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    Der VP-Klubchef: Wir haben es immer noch "derwartet"

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