Neue Gebäude auf Nuklearanlagen im Irak

6. September 2002, 17:24
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Wiener Atombehörde hat Satellitenbilder

Wien/New York - Mitarbeiter des "Irak Aktionsteams" der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) in Wien haben auf Satellitenbildern neue Gebäude und andere bauliche Veränderungen auf nuklearen Anlagen des Irak erkannt. Das bestätigte der Leiter des Teams, Jacques Baute, am Freitag gegenüber dem

Standard. Baute wollte weder Ort noch Zahl der Anlagen nennen, betonte aber, dass sein Expertenteam keine Schlussfolgerungen aus den Aufnahmen ziehen könne. "Wenn wir neue Gebäude sehen, wissen wir nur, dass es neue Gebäude gibt", wehrte Baute weitergehende Spekulationen über eine geheime nukleare Aufrüstung des Irak ab.

Keine Interpretationen

Die IAEA in Wien war bis zum Abzug der Waffeninspektoren im Irak im Dezember 1998 an der Kontrolle nuklearer Anlagen im Land beteiligt. Seither versucht das Irak-Aktionsteam, auf anderen Wegen Informationen zu erhalten. Die Auswertung kommerzieller Satellitenaufnahmen gehöre dabei zur Informationsbeschaffung. Die nun bekannt gewordenen Aufnahmen sind deshalb keine Besonderheit, die IAEA erhält seit November 1999 regelmäßig solche Satellitenbilder. Baute, ein französischer Physiker, berichtete bereits in der Vergangenheit über bauliche Veränderungen auf den ehemals nuklear genutzten Anlagen im Irak, ohne aber Angaben machen zu können, was dies tatsächlich bedeutet: den Bau von Forschungslabors oder von Lagerhallen für Getreide.

Der Irak erlaubt Experten der Wiener Behörde derzeit lediglich eingeschränkt jährliche Überwachungsbesuche zu bestimmten Atomanlagen - zuletzt vergangenen Jänner im nuklearen Forschungszentrum Tawaitha am Stadtrand von Bagdad. Baute wiederholte deshalb auch nur im Zusammenhang mit den neuen Satellitenbildern seinen Wunsch, möglichst rasch die Inspektionen von 1998 aufzunehmen. Sein Team stehe bereit, meint er, innerhalb von zwölf Minuten könnten die Experten ein umfassendes Bild über den tatsächlichen Stand der nuklearen Kapazitäten des Irak haben. (mab,DERSTANDARD, Printausgabe, 7./8.9.2002)

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