Kostenlawine Übergewicht

6. September 2002, 17:50
posten

30 Prozent der österreichischen Bevölkerung sind übergewichtig - die Mehrkosten für Medikamente sind enorm...

Wien - Übergewicht und Fettsucht machen krank. Sie verursachen laut österreichischen Experten aber auch eine veritable Kostenlawine. Darunter befinden sich auf Österreich hochgerechnet rund 167 Millionen Euro pro Jahr an Mehraufwendungen für Arzneimittel.

Der Hintergrund: Der Innsbrucker Internist Dr. Alexander Dzien hat die Kosten der Arzneimittelverschreibungen in Sachen Herz-Kreislauf, Bewegungsapparat und Stoffwechselstörungen bei 3.360 seiner Patienten in einem Zeitraum von fünf Jahren analysiert und mit dem Körpergewicht verglichen. 53 Prozent der Kranken waren übergewichtig, 18 Prozent der Frauen und 13 Prozent der Männer waren fettsüchtig.

Das Ergebnis der Untersuchung von Dzien: Die Mehrkosten für die durch Übergewicht benötigten Medikamente betrugen allein bei den rund 1.780 übergewichtigen Patienten (53 Prozent der 3.360 Kranken) seiner Praxis jährlich 146.996 Euro.

30 Prozent der österreichischen Bevölkerung ist übergewichtig

Die weitere Rechnung: Da in Österreich rund 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Übergewicht aufweisen, sind das etwa zwei Millionen Menschen. Somit müssen für sie pro Jahr rund 167 Millionen Euro an Mehrkosten für Medikamente aufgewendet werden.

Ein weiteres Faktum laut Dzien: Auf die Übergewichtigen unter den Patienten des Innsbrucker Internisten entfielen jeweils rund 60 Prozent der Verschreibungen für Herz-Kreislauf-Medikamente, Leiden des Bewegungsapparates und Stoffwechselkrankheiten.

Body-Mass-Index

Somit müssten sich alle medizinischen Maßnahmen, die zur Verhinderung von Übergewicht und Adipositas bzw. deren Reduktion führen, auch für Krankenkasse und Volkswirtschaft rechnen. Univ.- Prof. Dr. Hermann Toplak, Internist sowie Stoffwechsel- und Adipositas-Experte der Universitätsklinik Graz: "Adipositas ist die globale Epidemie des 21. Jahrhunderts. Das ist eine Entwicklung, die weltweit gleich ist."

Ernährung, Bewegung und neuerdings auch Medikamente wie Sibutramin oder Orlistat und - bei sehr stark Adipösen - chirurgische Maßnahmen können relativ vielen Betroffenen helfen. Toplak: "Schon die Gewichtserhaltung ist am Beginn ein gewisses Ziel. Da braucht man noch keine großen 'Abmagerungskuren' machen. Wir versuchen bei einem Body-Mass-Index von 27 eine Grenze einzuziehen. Über einem Body-Mass-Index von 30 liegt dann schon eine schwere Erkrankung vor." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.