Putin sieht keine Gründe für Militärschlag

6. September 2002, 16:16
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Telefonate mit Blair und Bush - US-Regierung legt Parlamentariern neue Beweise vor

Moskau - Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich am Freitag erneut gegen einen eventuellen Militärschlag gegen den Irak ausgesprochen. In einem Telefonat mit dem britischen Premierminister Tony Blair sprach er sich für eine Rückkehr der internationalen Waffeninspekteure in den Irak und den anschließenden Wiederaufbau des UNO-Kontrollmechanismus im Einklang mit den entsprechenden Resolutionen des Weltsicherheitsrates aus.

Nach Putins Meinung bestehe weiterhin Spieraum für eine politische Lösung, teilte sein Sprecher Alexej Gromow mit. Jede Gewaltanwendung könne negative Folgen für die Lage im Persischen Golf und Nahost sowie für den weiteren Erhalt der internationalen Antiterror-Koalition haben. Im Anschluss an sein Gespräch mit Blair telefonierte Putin aus seinem Urlaubsdomizil in Sotschi am Schwarzen Meer auch mit US-Präsident George W. Bush. Über den Inhalt dieser Unterredung machte Gromow keine Angaben.

Cheney und Tenet machen Stimmung

Die US-Regierung intensivierte ihre Bemühungen, im Inland von der Notwendigkeit eines Militärschlags gegen den Irak zu überzeugen. Vizepräsident Richard Cheney und der Direktor des Geheimdienstes CIA, George Tenet, unterrichteten am Donnerstag die vier ranghöchsten Politiker im Repräsentantenhaus und im Senat hinter verschlossenen Türen über die Erkenntnisse der Regierung.

"Wir haben neue Informationen erhalten, die mir Sorge bereiten", sagte der Präsident des Repräsentantenhauses, der Republikaner Dennis Hastert, am Freitag. Auch der republikanische Minderheitenführer im Senat, Trent Lott, sprach von beunruhigenden Erkenntnissen. Einzelheiten durften die Politiker nicht nennen. Der Kongress will in den nächsten Wochen umfangreiche Anhörungen und Debatten über das Für und Wider eines Militärschlags gegen den Irak abhalten. "Mir ist es wichtiger, diese Sache richtig anzupacken, als etwas zu überstürzen", sagte der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Tom Daschle.

Abgeordnete und Senatoren haben Bush in den vergangenen Wochen vorgeworfen, bisher keine Beweise vorgelegt zu haben, um einen Präventivschlag gegen Saddam Hussein zu rechtfertigen. Als erstes Regierungsmitglied hatte sich Vizepräsident Cheney vergangene Woche unmissverständlich dafür ausgesprochen. (APA/dpa)

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