Sharon erklärt Osloer Abkommen für hinfällig

6. September 2002, 16:02
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Spannungen vor jüdischem Neujahrsfest deutlich verstärkt

Jerusalem/Gaza - Wenige Stunden vor Beginn des jüdischen Neujahrsfestes haben sich die Spannungen zwischen Israel und Palästinensern am Freitag deutlich verstärkt. Der israelische Regierungschef Ariel Sharon erklärte die Verträge von Oslo in einem Gespräch mit der israelischen Tageszeitung "Maariv" für hinfällig. Der Konflikt im Nahen Osten beruhe im Grunde auf der "Weigerung von Arabern und Palästinensern", das jüdische Volk in seiner Heimat leben zu lassen. Unterdessen erschoss die israelische Armee im Westjordanland zwei Palästinenser. Soldaten unterteilten den Gazastreifen durch Straßensperren in drei Bereiche, um Waffentransporte zu verhindern.

Nicht nur das Osloer Abkommen von 1993, auch der gescheiterte Gipfel von Camp David im Juli 2000 sowie die Friedensverhandlungen im ägyptischen Taba im darauffolgenden Winter existierten für ihn nicht mehr, sagte Sharon. "Wir werden nicht an diese Orte zurückkehren." Palästinenserpräsident Yasser Arafat habe "von Anfang an" das Ziel verfolgt, Israel in die Knie zu zwingen. "Er muss einfach ignoriert werden", betonte der Regierungschef in einem weiteren Gespräch mit der israelischen Tageszeitung "Jediot Acharonot".

Palästinenser erbost

Die palästinensische Autonomiebehörde verurteilte Sharons Äußerungen scharf. Durch die Erklärungen des israelischen Regierungschefs würden die im Nahen Osten herrschende Lähmung und der "Zustand politischer Stagnation" nur weiter verstärkt, sagte Arafats Berater Nabil Abu Rudeina in Gaza. Sollte Israel die noch verbleibenden Abmachungen nicht anerkennen, gerate die gesamte Region "in eine Sackgasse". Ohne den vollständigen Abzug der israelischen Armee aus den besetzten Autonomiegebieten sowie erneute Verhandlungen gebe es nicht die geringste Hoffnung auf Fortschritt, fügte Rudeina hinzu.

Bei den beiden in Jenin im Westjordanland getöteten Palästinensern handelte es sich nach palästinensischen Angaben um ein 30-jähriges Mitglied der Sicherheitsdienste sowie um ein 25-jähriges Mitglied der Al-Aksa-Brigaden, einer der Fatah nahestehenden radikalen Bewegung, die für zahlreiche Anschläge auf Israel verantwortlich gemacht wird. In Kalkilija im Norden des Westjordanlands wurden ein 35-jähriger örtlicher Anführer der radikalen Volksfront zur Befreiung Palästinas sowie fünf weitere Menschen festgenommen.

Bereits am Abend hatten israelische Kampfhubschrauber nach palästinensischen Angaben eine Metallwerkstatt und einen Polizeiposten im Süden des Gazastreifens angegriffen. Ein Mann sei verletzt worden, als drei Helikopter Raketen auf den Polizeiposten in Chan Junis abfeuerten. Die Werkstatt sei dabei zerstört worden. Die israelische Armee gab an, sie habe auf eine Waffenfabrik gezielt.

Wenige Tage vor dem Jahrestag der Anschläge vom 11. September stationierte die Armee in der Nähe der drei israelischen Städte Haifa, Gedera und Eilat Abfangraketen vom Typ "Patriot", wie die Zeitung "Maariv" berichtete. (APA)

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Briefwechsel zwischen Arafat und Rabin
vor dem Osloer Gipfel 1993

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