Infobroschüre mit Makel

6. September 2002, 15:11
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Sicherheitstipps von Gendarmerie und Frauen in neuer Broschüre

Bregenz – Mit einer Infobroschüre geben Frauenreferat und Landesgendarmeriekommando Sicherheitstipps für Frauen und Mädchen. Nicht jede Formulierung ist durchdacht.

"Wehr dich!" empfehlen Frauenreferat und Landesgendarmeriekommando Frauen und Mädchen gegen allgegenwärtige Männergewalt. In einer gemeinsamen Infobroschüre, die am Freitag präsentiert wurde, werden Verteidigungs- und Abwehrtipps für verschiedene Alltagssituationen – vom Blind Date nach dem Chat bis zur Gewalt in der Beziehung - gegeben. "Wer die Gefahren kennt, kann viele Risiken ausschließen", begründet Sicherheitsdirektor Elmar Marent die Öffentlichkeitsarbeit. Für Frauen-Landesrätin Greti Schmid "muss öffentliches Eintreten gegen sexuelle Belästigung oder Gewalt zur Selbstverständlichkeit werden".

Die Textbeiträge machen Mädchen und Frauen Mut. Das "Wehr dich" zieht sich als roter Faden durch alle beschriebenen Situationen. Stillhalten und dulden, die früheren Verhaltenstipps aus der Exekutive, gehören – zumindest in der Broschüre – der Vergangenheit an. Mädchen sollen schon ganz früh mit Selbstwert- und Selbstverteidigungstraining beginnen. So genannte Witzeleien werden als sexuelle Belästigung entlarvt. Frauen werden darin bestärkt, am Arbeitsplatz weder dreckige Witze noch einschlägige Poster zu dulden.

Gänzlich misslungen ist der Herausgeberschaft der Broschüre aber das Vorwort von Sicherheitsdirektor Elmar Marent und Landesgendarmeriekommandant Manfred Bliem. "Gewalt darf niemals dazu führen, dass eine Frau an ihrem Körper oder ihrer Würde verletzt wird, dass sie mit Angst oder Unsicherheit leben muss", lassen die beiden Ordnungshüter die staunende Leserin wissen. Wozu Gewalt sonst führen könnte, bleibt ein Rätsel. Etwa zu Ruhe und Ordnung?

Die Broschüre liegt in Beratungsstellen, Fraueneinrichtungen und bei der Gendarmerie auf.

(jub, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 7.9.2002)

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