EU-Erfolge am Arbeitsmarkt gefährdet

6. September 2002, 15:11
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Bei längerer Wachstumsschwäche können Vorgaben nicht eingelöst werden - EU-Kommission ortet Ungleichheiten bei Geschlecht, Wohnort, Qualifikation

Brüssel - Das Konjunkturtief gefährdet die selbstgesteckten Ziele der EU für mehr Beschäftigung. Bei einer längeren Wachstumsschwäche könnten die Vorgaben, die sich die Staats- und Regierungschefs im März 2000 gegeben hatten, nicht eingelöst werden, warnte die EU-Kommission in ihrem am Freitag vorgelegten Jahresbeschäftigungsbericht. Die Behörde zog insgesamt eine positive Bilanz für das Jahr 2001, wies aber auf weiter bestehende Ungleichheiten auf Grund von Geschlecht, Wohnort und Qualifikation hin: So habe die Beschäftigtenquote bei Frauen zwar leicht zugenommen, liege aber immer noch deutlich unter der der Männer. Auch verdienten Frauen im Durchschnitt etwa 16 Prozent weniger.

Gut zwei Millionen Arbeitsplätze mehr wurden 2001 in den 15 EU-Staaten besetzt, obwohl sich das Wirtschaftswachstum nach dem Boom-Jahr 2000 mit einem Plus von 3,4 Prozent im vergangenen Jahr auf nur noch 1,6 Prozent verringerte. In den USA und Japan habe der Abschwung dagegen auch zum Rückgang der Beschäftigungsquoten geführt. Fast überall in der EU abgenommen hat dagegen der Anteil der Beschäftigten im Alter zwischen 55 und 64 Jahren. Im Mittel sank dieser Anteil um gut zwei Prozentpunkte auf nur noch 38,5 Prozent. In Belgien hatte sogar nur noch jeder vierte Arbeitnehmer in diesem Alter eine Stelle, während es in Finnland fast 46 Prozent waren. Für Deutschland nennt die EU-Statistik einen Anteil älterer Beschäftigter von 37,7 Prozent.

Mehr investiert werden muss nach Ansicht der EU-Kommission in Qualifikationen und bessere Arbeitsplätze. Bis zu einem Viertel der Arbeitnehmer mit einem Vollzeit-Arbeitsplatz und mehr als zwei Drittel der Beschäftigten, die unfreiwillig in Teilzeit arbeiten, hätten einen Arbeitsplatz, der schlecht bezahlt und unsicher sei und zudem keinen Zugang zur Fortbildung oder Aufstieg biete. Zwar könnten solche Stellen Arbeitslosen den Einstieg in ein Arbeitsverhältnis erleichtern. Mehr als die Hälfte von ihnen bleibe aber länger auf einer Stelle mit niedriger Qualität und bis zu einem Viertel würden anschließend auch wieder arbeitslos. (APA)

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