"Epidemien" beuteln Südafrika

6. September 2002, 15:07
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Aids, Vergewaltigungen, zunehmende Gewalt gegen Frauen: Als "Tropfen auf dem heißen Stein" gilt das von der EZA finanzierte Frauenhaus in Mpumalanga

Johannesburg - Das südliche Afrika leidet unter einem ganzen Bündel an "Epidemien": Neben der grassierenden Seuche Aids sind das - nicht ohne Zusammenhang - Vergewaltigungen und Missbrauch von Frauen und Kindern in immer erschreckenderen Ausmaßen. Auch Südafrika selbst bleibt davon nicht verschont: Nach ExpertInnenschätzungen gibt es 4,7 Millionen HIV-Infizierte. Laut Statistik werden jede Stunde fünf Kinder vergewaltigt, zum Teil von mehreren Männern gleichzeitig.

Und: Die Zahl der Fälle hat sich seit 1994 nach Angaben des Nationalen Rates für Kinderwohlfahrt verdoppelt. Österreich engagiert sich in Südafrika daher u.a. bei Projekten wie Frauenhäusern und Gemeindezentren samt geplanter Aids-Betreuung.

"Zebraquelle" an die lokalen Behörden übergeben

Außenministerin Benita Ferrero-Waldner hat bei einem Besuch von entlegenen Townships am Rande des UNO-Weltgipfels in Johannesburg das durch die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit (EZA) gemeinsam mit der UNO auf die Beine gestellte "Frauenhaus" in Kwaggafontein (zu Deutsch "Zebraquelle") in der Provinz Mpumalanga formell an die Provinzverwaltung übergeben. Die Aufbauarbeit ist bestens abgeschlossen, eine Vertreterin der lokalen Behörden versicherte bei dem kleinen Festakt, dass das weitere Funktionieren garantiert werde.

In dem Zentrum - einem umgebauten Einfamilienhaus mit dem Namen "Leseding Outreach Centre for Abused Women and Children" - werden im Jahr an die 100 Opfer "häuslicher" Gewalt betreut. Heuer sind es bisher 55 gewesen. Die Frauen erhalten Beratung und Assistenz auch bei Behördenwegen. Flüchten sie vor Gewaltakten, können sie in der Einrichtung übernachten, allerdings aus Platzgründen nur einmal. Aber es gibt auch Vorträge in Schulen, Polizeistationen, Kliniken etc. sowie Kooperationen mit lokalen Radiostationen.

Prozesse gehen oft mit Freisprüchen aus

Die Sozialarbeiterinnen des Zentrums gehen auch hinaus, quasi als Streetworker. All diese Aktionen sind schwierig, gefährlich und heikel - zu groß sind Angst auf der einen und Aggressionen auf der anderen Seite. Bezüglich der Gewalttäter werden die Behörden eingeschaltet - vielfach gehen Prozesse aber mit Freisprüchen aus, wegen fehlender Beweise, vor allem aber mangels Aussagen der völlig eingeschüchterten Opfer.

Der "Premierminister" der Provinz - quasi der "Landeshauptmann" der Region - erzählte von haarsträubenden Fällen: Eine der vergewaltigten Frauen hat sich das Leben genommen - nach dem Prozess, in dem sie das schreckliche Geschehen, obwohl bei der Polizei zu Protokoll gegeben, nochmals in allen Details schildern musste. "Das war wie eine zweite Vergewaltigung, diesmal aber in aller Öffentlichkeit", waren ihr letzten Worte. Oder ein Fall der Vergewaltigung eines neun Monate alten Mädchens durch mehrere Männer.

Tropfen auf den heißen Stein

"Leseding" und das ebenfalls mit österreichischen Mitteln unterstützte Ezibeleni One-Stop Centre in der Provinz Eastern Cape, können so nur ein - wenn auch wichtiger - Tropfen auf den heißen Stein sein. "Ich hoffe, dass diese Einrichtung ein Modell für weitere solche Zentren ist", meinte auch Ferrero-Waldner. Die EZA hat insgesamt 660.000 US-Dollar dafür bereitgestellt.

Der in Pretoria stationierte Projektverantwortliche der UNO, Rob Boone, betonte: "Gewalt an Frauen und Kindern ist eines der schrecklichsten Verbrechen hier und trägt zu den sozialen Problemen Südafrikas bei." In den beiden fixen "Frauenhäusern" sowie durch mobile Betreuung sind seinen Angaben zufolge bisher rund 7.000 solche Fälle behandelt worden. (APA)

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    Aids-Aktivistinnen im März dieses Jahres bei einer Demonstration in Johannesburg
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